2016 | Doom, Folk, Drone
Vinyl / CD / Digital | Thrill Jockey Records
1. Light Falls I - The Mantra
2. Light Falls II - The Light Burns Us All
3. Light Falls III - Light Sick
4. The Gathering
5. Where Have You Been My Lovely Son?
6. Some Were Saves Some Drowned
7. My Lovely Son Reprise
J.R. Robinson - Gitarre, Gesang
Esther Shaw - Piano, Keyboards, Violine, Stimme
Thierry Amar - Bass, Kontrabass
Timothy Herzog – Schlagzeug
Sophie Trudeau - Violine, Gesang, Hammond Orgel B3
Hinter
WREKMEISTER HARMONIES stehen J.R. Robinson und Esther Shaw, die den
Kern der Klanggemeinschaft aus wechselnden und teils sehr namhaften
Musikern darstellen. Fest unterstützt wurden sie diesmal von den
drei GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR Musikern Thierry Amar, Timothy
Herzog sowie Sophie Trudeau. Darüber sind als Gastmusiker der
amerikanische Liedermacher Ryley Walker sowie Cooper Crain von CAVE
zu hören.
Auf dem
neuen Album „Light Falls“ beschäftigt sich Robinson mit Primo
Levi, einem Überlebenden des KZ Auschwitz, der seine Erlebnisse in
dem Buch „Ist das ein Mensch?“ niederschrieb. Auf dieses Buch im
Allgemeinen und auf das dortige Eröffnungsgedicht im Besonderen,
bezieht sich Robinson mit „Light Falls“. Ein schweres Thema,
dessen angemessene musikalische Darstellung sicherlich nicht leicht
ist.
Am Anfang
steht „Light Falls I - The Mantra“, wo Robinson sehr ruhig, fast
schon flüsternd, ein paar Verse vorträgt, die von Hammond Orgel,
Piano und Violinen begleitet werden. Das Stück ist gemessen an
seiner Länge relativ textarm, was sich gerade zum Ende hin zu einer
schamanischen, mystischen und beschwörenden Atmosphäre verdichtet.
Dies liegt hauptsächlich an den flackernden und kratzenden Violinen,
deren Melodien und Töne wie schemenhafte Flüsterstimmen und
Klagelaute aus dem Wind klingen. Das Stück ist einerseits
zurückhaltend und monoton, andererseits aber auch lebendig und
dynamisch. Diese Intensität und tiefgreifende Dramatik wird ins
nahtlos nachfolgende „Light Falls II - The Light Burns Us All“
mitgenommen - die Übergänge zwischen den sieben Titeln vollziehen
sich stets lautlos.
Im zweiten
Lied geht es insgesamt kraftvoller und lauter zu, einfach weil nun
auch Gitarren, Bass und Schlagzeug hinzu gekommen sind, und sich die
nun im Doom angekommene Musik druckvoller und mächtiger auftürmt.
Die musikalische Einordnung von „Light Falls“ ist schwierig zu
machen, so vielfältig sind die unterschiedlichen Einflüsse und
Elemente. Robinson selbst spricht von „pastoralem Doom“, was
durchaus passend ist. Doch auch Ambient, Drone, Folk, Neo Klassik und
verschiedenste Schnipsel aus der Rockmusik kann man wahrnehmen. Was
sich vielleicht überfrachtet und kompliziert liest, hört sich aber
als Endergebnis erstaunlich stimmig und harmonisch an.
„Light
Falls“ ist insgesamt betrachtet ein ruhiges Album, es ist ein Werk
welches angemessen mit dem Erbe und den Erlebnissen von Primo Levi
umgeht. WREKMEISTER HARMONIES verzichteten auf Effekthascherei, was
unter anderem auch dazu führte, dass sich die Kontraste,
Spannungsbögen und Gegensätze eher unauffällig und im Kleinen
abspielen. Trotz eines dezidiert gedämpften Auftretens gibt es aber
auch packende und energetische Parts. Als vorbildlich möchte ich an
dieser Stelle „The Gathering“ nennen. Das Lied fällt durch eine
wunderbare Dramatik und Tiefe auf. Die Instrumente formen hier,
angeführt von Piano, Violinen und erschütternden Gitarren, eine
intensive Spannungskurve, deren Wirkungsmächtigkeit kaum
ergreifender sein könnte. Sowohl die grandiose Orchestrierung als
auch das Songwriting sind atemberaubend. So sollte schwere
Instrumentalmusik klingen!
WREKMEISTER
HARMONIES haben mit „Light Falls“ ein grandioses Werk ernsthafter
und polymorpher Musik geschaffen. Ruhige Klänge sind nicht gleich
ruhige Klänge. Zu keinem Zeitpunkt kommen Langeweile oder
Langatmigkeit auf, stattdessen gibt es überraschende Facetten und
Variationen von Melancholie. In „Where Have You Been My Lovely
Son?“ erinnert mich Robinson mit seiner ruhigen und sonoren Stimme
ein wenig an Lieder und Künstler wie „Hurt“ von Johnny Cash oder
„Waiting For The Miracle“ von Leonard Cohen.
„Light
Falls“ ist dunkle Musik, die hervorragend und vielfältig
arrangiert wurde und ohne Übertreibungen und Klischees auskommt. Es
ist ein Werk voller Ehrfurcht und Tiefgang.
WREKMEISTER
HARMONIES sind am 30. November in Berlin im Urban Spree und am 8.
Dezember auf dem MS Stubnitz in Hamburg zu sehen und hören.
