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Freitag, 19. März 2021

December Wolves - 'Til Ten Years (1996)


 



December Wolves - 'Til Ten Years
1996 | Black Metal
CD | Hammerheart Productions

1. Ode To The Master Therion
2. The Night That I Died
3. Our Centuries Have Been Found
4. Lycanthropy: Yonder Through IceStorms
5. 'Til Ten Years
6. ...Whence The Clouds Cry
7. Outro


DECEMBER WOLVES aus Boston veröffentlichten während ihres Bestehens drei Alben. Im Gedächtnis geblieben sind sie, wenn überhaupt, aber mit den Alben #2 und #3 und nicht dem mir so wichtigen 1996er Debüt „'Til Ten Years“. Es lag wohl am radikalen Stilwechsel, den sie nach ihrem ersten Album vollzogen.

Schon damals war das Album irgendwie eine relativ kuriose Angelegenheit. Schließlich waren DECEMBER WOLVES eine US-amerikanische Band die skandinavisch beeinflussten Black Metal spielte und über einem Südkoreanischen Label veröffentlichte. Und das im Pre-Internet-Zeitalter. Damals gab es noch keine Webshops, keine Downloadportale oder Google als Suchmaschine. Es war noch die Zeit der Printmagazine, Kaufcompilations und Mundpropaganda.

Wie ich DECEMBER WOLVES seinerzeit entdeckte weiß ich leider nicht mehr. Allerdings weiß ich noch, wie beeindruckt ich war und welche Probleme ich 1998 hatte den Nachfolger „Completely Dehumanized“ zu bekommen. Wie gesagt, das Internet war gerade erst dabei sich zu entwickeln. Also suchte ich nach einer Emailadresse der Band und schrieb sie an, mit dem Wunsch das neue Album kaufen zu wollen, weil ich in Deutschland nirgends fündig wurde. Es kam eine recht knappe und nicht gerade freundliche Antwort mit dem Verweis zum Label. Das Label war in England ansässig und da es noch keine Webshops oder ähnliches gab und mir die Band keine CD schicken wollte oder konnte, habe ich das Teil nie bekommen. Irgendwann habe ich es mir dann halt runtergeladen.

Aber nun zum eigentlichen Thema. „'Til Ten Years“ war und ist ein viel zu wenig beachtetes Juwel einer damals noch sehr jungen (den Bildern im Booklet nach zu urteilen) Band. Das Album beinhaltete alles was der Black Metal für mich ausmachte. Es war melodisch und abwechslungsreich aber gleichzeitig auch fordernd und hart. Die durchschnittliche Liedlänge liegt zwischen sieben und acht Minuten. Nicht gerade kurz. Doch DECEMBER WOLVES wussten sich in Szene zu setzen und verschwendeten keine einzige Sekunde. Das Album enthält keine öden Längen, keine überflüssigen Ein- oder Überleitungen oder Lückenfüller. Alles hat Hand und Fuß. Alles ist bis ins kleinste Detail stimmig.

Dies machten sie bereits mit dem Opener „Ode To Master Therion“ deutlich, der ohne Intro auskommt. Man kommt schnell zur Sache und das Lied entwickelt sich rasch zu einer flotten, vielschichtigen Nummer in der hohe Tempi, Rhythmuswechsel, Keyboards, Härte, nordische Kälte und Grimmigkeit für eine spannungsreiche und dichte Atmosphäre sorgen.

Die langen Lieder wurden sehr facettenreich arrangiert, plumpes schablonenhaftes Aneinanderketten sich wiederholender Bausteine gibt es nicht, was für solch eine junge Band auf ihrem Erstling wahrlich bemerkenswert ist.

Gitarren, Schlagzeug und Gesang wurden extrem vielseitig komponiert und vorgetragen. Ständig wechseln sich melodische Gitarrenläufe, grimmige Kälte, Groll, variable Tempi und differenzierte Kreischgesänge miteinander ab, verschmelzen sich oder erschaffen Neues. Die Arrangements beinhalten zahlreiche aufbrechende Parts, in denen Akustikgitarren oder Keys aufflimmern. Akustikgitarre oder Keyboard wurden allerdings überaus bewusst und dezent verwendet, was ihren ureigentlichen Charakter außerordentlich unterstreicht.

Mitunter geht es sehr melodisch zu, andererseits schwingt unterschwellig stets Bedingungslosigkeit und Brachialgewalt mit. Filigrane Vielschichtigkeit verschmilzt mit epischer Melodik zu einem Monolithen klanggewordener Wut. Es gibt im Metal nicht viele Alben, auf denen Melodik und Härte so gut miteinander harmonieren.

Für mich ist „'Til Ten Years“ ein extrem wichtiges und viel zu unbekanntes Album. Diese Debüt steht skandinavischer Szenegrößen und Altstars in nichts nach. Die CD gibt es beispielsweise gebraucht über Discogs zu kaufen, allerdings liegen die Preise aktuell zwischen 15 und 30 Euro. Für eine gebrauchte CD nicht wenig.

Freitag, 19. Februar 2021

Horizon's Opening - ...To Face The Eternal Night

Horizon‘s Opening - ...To Face The Eternal Night

Horizon‘s Opening - ...To Face The Eternal Night

1999 | Black Metal
Kassette | Eigenproduktion


A1. Ode an das Grauen

A2. Envite min muot

B1. Mein einst gesehenes Land

B2. ...To Face The Eternal Night




Es ist kaum zu glauben, aber eines meiner ewigen Black-Metal-Favoriten habe ich zufällig über die einst, in sogenannten und selbsternannten elitären Untergrundkreisen, überaus verhasste Plattform Ebay gefunden. Irgendjemand bot dort die mir unbekannte Demokassette „...To Face The Eternal Night“ von HORIZON‘S OPENING für kleines Geld an. Ich weiß nicht mehr wie das Tape beschrieben wurde, oder wonach ich suchte. Es war purer Zufall.

Selten, vielleicht sogar nie, hat mich einen Kauf so nachhaltig geprägt und begleitet. „...To Face The Eternal Night“ ist für mich der perfekte Black Metal. Die Demokassette verkörpert und vereint alles was ich an dieser Musik und diesem Lebensgefühl je liebte und schätzte.

Die Demokassette hat einen, einer kleinen eigenständigen Demoproduktion überaus angemessenen Klang. Jede Note, jeder Saitenanschlag, jedes Trommelgeräusch und jeder Hauch ins Mikro versprüht für mich für all das, was ich mir jemals wagte von Black Metal zu erhoffen. HORIZON‘S OPENING waren Söhne ihrer Zeit, veröffentlichten 1995 ihre erste Demo „Im Angesichte der Ewigkeit“ und 1999 die zweite und letzte Demo „...To Face The Eternal Night“. Ihr Black Metal steht ganz im Geiste des Black Metals der 90iger.

Die Kassette tönt etwas rauschend aber eben analog und organisch. Ich liebe es, wie Gesang, Saiten und Schlagzeug scheppern, tosen und beben. Die vier Lieder des Tapes klingen in jeder Sekunde nach absoluter und bedingungsloser Hingabe, Ehrlichkeit und Authentizität.

HORIZON‘S OPENING spielten stark melodisch gelagerten Black Metal, der trotz harmoniebedachter Gitarrenläufe rau, schroff und harsch ist. Die Tempi schreiten weitgehend schleppend bis mittelschnell voran, wobei es aber auch hier und da rasende Einschübe gibt. HORIZON‘S OPENING verstanden es perfekt düster, grimmig und hochgradig eindringlich und gleichzeitig hart und brachial zu klingen. Ob aller Melodik und atmosphärischer Elemente ist „...To Face The Eternal Night“ energisch, unerbittlich und streng. Es ist eben unverkennbar Black Metal der 90iger.

Bis heute ist diese Demo einer meiner heiligsten Schätze. Und auch heute noch vermag mir die Musik beim Hören einen wohligen Gänsehautschauer zu bereiten, so sehr berührt sie mich.

Samstag, 2. Mai 2020

Vulpecula - Fons Immortalis

Vulpecula – Fons Immortalis
1997 | Death
Black Metal, Ambient
CD, Vinyl | Merciless Records

1. Astride The Darklands
2. Fons Immortalis
3. Down Among Them
4. Phoenix Of The Creation
5. The First Point Of Aries
6. Seven Layers Of Light


Als „Fons Immortalis“ 1997 erschien, gab es das Internet noch nicht so wie wir es heute kennen und selbstverständlich nutzen. Entweder verließ man sich auf Rezensionen in Printmagazinen, Empfehlungen durch Bekannte oder auf das eigene Bauchgefühl. Ich weiß noch, dass ich mich im Falle von VULPECULA auf die Lobpreisungen von Merciless Records verließ. An den Text kann ich mich natürlich nicht erinnern, aber er weckte definitiv mein Interesse.

Bereut habe ich den Blindkauf nie. Im Gegenteil: VULPECULA, insbesondere die zwei ersten E
Ps, sind für mich bis heute eine Ausnahmeband, an der ich mich nicht satt hören kann. Es stimmt für mich einfach alles. Der Klang, die Rhythmen, die Melodien, die Stimmungen und Atmosphäre, der Gesang, es ist für meine Ansprüche und Bedürfnisse alles perfekt!

Gegründet wurde VULPECULA unter anderem vom Gitarristen Chuck Keller, der mit seinen anderen beiden Hauptbands ORDER FROM CHAOS und ARES KINGDOM eine große Anhängerschaft aufbauen konnte. Ein annähernd ähnlicher Erfolg war VULPECULA hingegen nie beschieden. Die Band veröffentlichte auch nur drei EPs, von der die letzte auch noch posthum sieben Jahre nach Bandauflösung erschien.

„Fons Immortalis“ ist für mich die beste und rundeste Veröffentlichung. Es ist eine leicht angeraute und stets düstere Mischung aus schleppendem Death und Black Metal, der durch einen erdig-kehligen Gesang sowie melodische, teils episch-sphärische Riffs getragen wird und sich thematisch mit dem Universum befasst. Am Anfang und in der Mitte der EP gibt es ein- bzw. überleitende Ambientpassagen, welche mir ausnahmsweise schon 1997 außerordentlich gefielen.

Das Zusammenspiel von schepperndem, peitschendem und polterndem Schlagzeug mit Gesang und den erstklassigen und unverwechselbaren Keller-Riffs kreieren einen gänzlich einzigartigen Klang. Ich liebe das ausgiebige Beckenspiel,
es zischt und scheppert herrlich und setzt einen knackigen Kontrast zum tief dröhnenden Saitenspiel und kehligen Gesang. „Fons Immortalis“ ist roh, schroff, harsch aber gleichzeitig auch stets melodisch und atmosphärisch. Ich habe nur äußert selten eine so perfekte Balance zwischen Härte, Hässlichkeit und Gefühl und Melodik gehört.

Fons Immortalis“ ist auch nach dreiundzwanzig Jahren eine unbeschreiblich grandiose Scheibe, die ich jedem ans Herz legen möchte der düstere Melodik und eine schwere und raue Atmosphäre zu schätzen weiß. Günstig an das Teil ranzukommen ist nicht einfach, bei Discogs geht es gerade erst bei rund 15 Euro los.

Dienstag, 27. Februar 2018

Phantom Winter - Into Dark Science

Phantom Winter - Into Dark Science
Phantom Winter - Into Dark Science
2018 | Sludge, Black Metal
Vinyl, CD, Digital | Golden Antenna Records

1. The Initiation Of Darkness
2. Ripping Halos From Angels
3. Frostcoven
4. The Craft And The Power Of Black Magic Wielding
5. Into Dark Science
6. Godspeed! Voyager




Mit ihrem dritten Album „Into Dark Science“ treiben es PHANTOM WINTER auf die Spitze. Es ist ein schwer verdauliches Werk geworden, welches die bekannten bandtypischen Vorzüge und Elemente mit einer bisher ungekannten rigorosen Härte verbindet.

Andreas Schmittfull, Kopf der Formation, sagte zum neuen Album: „Es ist eine Reise durch die dunklen Welten der beiden Schriftstellerinnen Sylvia Plath und Mary Shelley. „Into Dark Science“ ist ein Weg meine inneren Dämonen zu akzeptieren und zu bündeln und daraus etwas Produktives und Positives entstehen zu lassen“.

Das neue Album ist nicht nur musikalisch ein eindringliches Werk, es hat auch literarische Qualitäten und Botschaften die etwas sagen wollen, die das Denken anregen sollen. Jeder Liedtext im Booklet endet mit dem Zitat eines bekannten Schriftstellers, darunter Oscar Wilde und Heinrich Heine.

Das Leben der Sylvia Plath ist tragisch und endete mit ihrem Selbstmord im zarten Alter von dreißig Jahren. Mary Shelley hingegen war bereits zu ihren Lebzeiten im 19. Jahrhundert eine bekannte Autorin, deren Wirken bis heute nachwirkt, sie gilt als Erfinderin von Frankenstein.

Reichlich Stoff, mit dem man wohl mehrere Alben konzeptionell füllen könnte. Für die verstörenden Klangwelten auf „Into Dark Science“ ist dieser gedankliche Hintergrund ein idealer Nährboden. Noch nie waren PHANTOM WINTER so zerstörerisch, beklemmend, finster und aggressiv. Es ist ein spannungsgeladenes und kontrastreiches Album, das den einen und anderen Hörer vielleicht verschrecken könnte.

Nun waren die beiden Vorgänger auch kein Zuckerschlecken, aber die Dimension die PHANTOM WINTER mit „Into Dark Science“ erreichen, stellt einer neue Qualität ihres Winter Dooms dar. Von der ersten bis zur letzten Sekunde verströmt das Album eine absolute, schonungslose Negativität, die zu überbieten ich kaum imstande bin mir vorzustellen. Es sind ja nicht nur die schnellen und harschen Black-Metal-Parts und der überaus heftige Kreischgesang - selbst norwegische Veteranen hätten es nicht besser und authentischer machen können - die für Härte und Aggression sorgen, auch die zahlreichen lärmenden Parts mit ihren Disharmonien oder die schweren Riffs während der schleppenden Doomdarbietungen zementieren eine hochgradig dunkle, schwere und hoffnungslose Atmosphäre.

Das alles gab es zwar auch schon in der einen und anderen Form auf „Cvlt“ sowie „Sundown Pleasures“ zu hören, jedoch nicht in so einer kompromisslosen und verdichteten Massivität. PHANTOM WINTER sind sich treu geblieben, einerseits, doch sie gingen weiter und verfeinerten ihre klanglichen Vorstellungen, andererseits. Mir gefällt das verdammt gut, allerdings würde es mich nicht wundern, wenn hier jemand Kopfschmerzen und Albträume bekommen würde. Denn so finster und negativ „Into Dark Science“ auch sein mag, so fordernd und anstrengend ist es auch. Wie gesagt: Keine leichte Kost. Aber das wollte ja wohl auch niemand.

Dienstag, 23. Januar 2018

Hail - Inheritance Of Evilness

Hail - Inheritance Of EvilnessHail - Inheritance Of Evilness
2017 (2003) | Black Death Metal
CD | Triumphant Transgressions


1. Let The Wolves Lead You To Satan's Glory
2. The War Must Go On
3. Earth 's Historical Might Inheritance Prophecy
4. Unholy Funeral (Varathron Cover)
5. Black Death Metal Warrior
6. Barbaryan (Finland)


Ich weiß gar nicht mehr wie und wann ich mit HAIL in Berührung kam. Ich weiß jedoch sehr genau, dass mich „Inheritance Of Evilness“ seinerzeit total umhaute. Die Scheibe beeindruckte mich nachhaltig und ich war lange auf der Suche nach dem Doppel-Vinyl, welches gegenüber der 2003 über Barbarian Wrath veröffentlichten Originalveröffentlichung auf CD zwei Bonuslieder enthält. Diese sind mittlerweile gesondert als CD-EP erschienen, aber das ist eine andere leidliche Geschichte. An dieser Stelle soll es allein um das Juwel „Inheritance Of Evilness“ gehen, welches im vergangenen Jahr auf CD wiederveröffentlicht wurde.

HAIL wurde als Soloprojekt von dem Finnen Dirtmaster betrieben und „Inheritance Of Evilness“ ist das einzige Album. Er spielt dort eine wunderbare Mischung aus Black und Death Metal, die teilweise auch etwas Doomiges, allerdings in homöopathischer Dosis, enthält. Von Barbarian Wrath wurde das Album damals als Verschmelzung von BEHERIT und VARATHRON beworben. Das kann man machen, ist aber eine Untertreibung und wird dem Werk nicht vollumfänglich gerecht.

Für mich ist „Inheritance Of Evilness“ ein unerhört unterschätztes Album, weil es für mich die Essenz dessen enthält, was ich am Black Metal liebe. Dirtmaster verbindet in seiner Musik ungeschliffen und ungeschönt bestialischen Metal mit Melodik und differenziertem Spiel. „Black Metal of Death“ möchte ich dazu nur sagen. Die Arrangements sind einerseits roh, mitunter primitiv aber gleichzeitig auch verdammt vielfältig und akzentuiert. Sowohl an den Gitarren als auch am Schlagzeug vermochte Dirtmaster wahre Wundertaten zu vollbringen. Jedenfalls liebe ich seine Melodien, und auch das Spiel am Schlagzeug tritt immer wieder sehr detailliert und vielfältig in Erscheinung.

In den fünf Eigenkompositionen ist eine wahre Spielfreude zu hören und erleben, die gleichzeitig immer auch grimmig, barbarisch und lärmend ist. Sein facettenreicher Gesang, der kehlig, tief, gurgelnd aber auch keifend und schreiend Groll und Abscheu verkündet, verbündet sich mit den zischenden Becken und grollenden Trommeln zu einer unheilvollen Allianz, die von den markanten und grellen Gitarren befeuert wird. Manch eine Melodie wirkt unvollkommen, so als wäre sie etwas zu schnell und eine halbe Note zu hoch oder tief gespielt worden, was ich großartig finde. Nicht minder großartig werte ich seine schroffen und primitiven Geschwindigkeitsausbrüche. Dann hämmert und prügelt er dermaßen auf das Schlagzeug ein

Samstag, 16. Dezember 2017

Wolves In The Throne Room - Thrice Woven

Wolves In The Throne Room - Thrice Woven
Wolves In The Throne Room - Thrice Woven
2017 | Black Metal
Vinyl, Kassette, CD, Digital | Artemisia Records

1. Born From The Serpent's Eye
2. The Old Ones Are With Us
3. Angrboda
4. Mother Owl, Father Ocean
5. Fires Roar In The Palace Of The Moon

Aaron Weaver - Schlagzeug, Synthesizer
Nathan Weaver - Gesang, Gitarren
Kody Keyworth - Gesang, Gitarre
Anna von Hausswolff - Gesang (Gast)
Steve von Till - Gesang, Akustikgitarre (Gast)
Zeynep Oyku Yilmaz - Harfe (Gast)




Auf WOLVES IN THE THRONE ROOM bin ich damals eher zufällig gestoßen. Eigentlich bin ich gestoßen worden, weil mir jemand etwas Gutes tun wollte und mir das Album ungefragt nach Hause schickte. Es war das Jahr 2006 und die Amerikaner hatten soeben ihr Debütalbum „Diadem Of 12 Stars“ veröffentlicht. Das Album ist ein Meilenstein und WOLVES IN THE THRONE ROOM starteten einen kometenhaften Aufstieg, sie wurden quasi zu Mitbegründern des Atmospheric Black Metal* und Cascadian Black Metal** und machten den Black Metal wohl auch hip.

Mich hauten die Amerikaner mit „Diadem Of 12 Stars“ jedenfalls regelrecht um. Das Album begleitete mich eine sehr lange Zeit, da es für mich eine perfekte Verschmelzung von Melodik, Melancholie, Kälte und grimmiger Rauheit war. Es sollte unerreicht bleiben***. Alles was von den Wölfen danach kam, vermochte mich nicht mehr so tief zu berühren wie das Debüt. Zuletzt probierte ich WOLVES IN THE THRONE ROOM 2009 als „Black Cascade“ heraus kam, doch es langweilte mich. Alles was darauf folgte, ging an mir ungehört vorüber. Bis heute.

Das 2014 erschienene Ambient-Instrumentalalbum „Celestite“ kam in der Presse ja nicht so gut an. Deshalb wird das im Spätsommer veröffentlichte „Thrice Woven“ von einigen Stellen als das erste „echte“ Album seit sechs Jahren betrachtet. Erwartungen hatte ich keine, und von den Socken haut es mich auch nicht, allerdings gibt es einige nette Arrangements, die mich schon ein wenig positiv überraschten.

Auf mich wirkt „Thrice Woven“ stellenweise extrem norwegisch. Skandinavische Anleihen sind zwar nichts Neues für WOLVES IN THE THRONE ROOM, doch die Präsenz des Norwegischen überraschte mich. Allerdings ist diese norwegische Grimmigkeit und Härte sehr gut und authentisch gemacht. Die norwegischen Vorbilder hätten es nicht besser machen können.

Ansonsten ist „Thrice Woven“ extrem vielfältig und hochgradig professionell gemacht. Neben dem Stammtrio sind einige Gastmusiker zu hören, darunter Steve von Till von NEUROSIS, die schwedischer Musikerin Anna von Hausswolff oder die türkische Harfeinistin Zeynep Oyku Yilmaz.

Alles zusammen ergibt ein Album, das traditionellen Black Metal mit Blackgaze, Doom und viel Abwechslung in sich vereint. Im Grunde kommt jeder auf seine Kosten, da es von allem etwas gibt und weil alles einfach gut und glaubwürdig gemacht wurde. Da zahlt sich die jahrelange Erfahrung aller Beteiligter aus.

„Thrice Woven“ gefällt mir am besten, wenn es langsam, bisweilen regelrecht schleppend und doomig wird. Dann treffen WOLVES IN THE THRONE ROOM am ehesten meinen Geschmacksnerv, dann empfinde ich die Melodien am ansprechendsten. Andererseits gibt es schnelle Parts, in denen dann komplexe und abstrakte Gitarren zu hören sind, die mich total nerven und mich ein wenig an EMPEROR erinnern, die ich nie wirklich mochte, weil sie mir einfach viel zu kompliziert und anstrengend waren.

Dennoch bin ich von „Thrice Woven“ angenehm überrascht. Es kitzelt mich zwar nicht und haut mich auch nicht um, wie einst das Debütalbum. Doch gemessen an meiner erwartungslosen Haltung gelang WOLVES IN THE THRONE ROOM zumindest ein Achtungserfolg.

*Ich bin mir nicht sicher, aber diese Stilbezeichnung war bis dahin nicht wirklich salonfähig.

**Ich habe bis heute nicht verstanden, was genau das sein soll und worin die Unterschiede zu den anderen Black-Metal-Subgenres bestehen.

*** Lediglich A FOREST OF STARS gelang es mit „The Corpse Of Rebirth“ mich vergleichbar intensiv und nachhaltig zu beeindrucken.

Donnerstag, 31. August 2017

D.o.S. - Substanz(-ver)lust

D.o.S. - Substanz(-ver)lust
D.o.S. - Substanz(-ver)lust
2017 | Obscure Black Doom Rock
Kassette, Digital | Cirsium Kollektivet

1. Dosis Freiheit - Einheit Schmerz
2. Im realen Nebel zehrend
3. Virulente Entkernung




Es gibt nicht ausreichend Adjektive, um zu beschreiben was ich beim Anhören von „Substanz(-ver)lust“ denke und fühle. Als erstes kamen in den Sinn: Absonderlich, verquer, grotesk. Die Liste ließe sich endlose fortführen. „Substanz(-ver)lust“ ist einfach zutiefst schräge und bizarre Musik. Hier irgendeine Schublade aufzureißen ist ein hoffnungsloses, weil zum Scheitern verurteiltes Unterfangen. Kategorien sind scheiße, deshalb wird einem „Substanz(-ver)lust“ auch rigoros vor die Füße gekotzt.

Was D.O.S. hier vorführen, ist ein morbides und finstres Klangmanifest, eine vehemente Abneigung des Gleichförmigen, eine Huldigung des Grotesken, eine Austreibung des Gewöhnlichen und Uniformierten. Die Substanz dieses Werkes ist der Black Metal, welcher jedoch massiv mit Doom und all seinen Subgenres, mit Ambient, Noise und sogar etwas Punk und Blues und Psychedelischem angereichert und aufgewertet wurde.

Die drei Stücke sind düster und verstörend. Mal grimmig, scheppernd und frostig, mal atmosphärisch und harmonisch, mal rockig und immer wieder launig. Die Melodien sind gewöhnungsbedürftig, weil sie überhaupt nicht gefällig sind, und es ist auch nicht jedermanns Sache, wenn psychedelisch eingehauchte Harmoniefragmente mit roher Wut verbunden werden.

Die Kassette enthält drei unterschiedliche Lieder. Während das erste und längste Stück metallischer Natur ist, geht es mit den beiden anderen Titeln wagemutiger und stilübergreifender weiter.


Wer sich mit dem 2016er Tape „Sepsis“ nicht so recht anfreunden konnte, sollte sich mal „Substanz(-ver)lust“ anhören. Die neue Kassette ist womöglich etwas zugänglicher, schon allein weil der Klang zugänglicher und nicht mehr so primitiv ist.

Ich bin mit „Substanz(-ver)lust jedenfalls überaus froh. Das Teil trifft genau, wie schon „Tegeneria-Sessions“ von 9 BEDS genau meinen Nerv. Schräge und obskure Musik für Liebhaber des schlechten Geschmacks.

Dienstag, 3. Oktober 2006

Vulpecula - In Dusk Apparition

Vulpecula – In Dusk Apparition
Vulpecula – In Dusk Apparition
2006 | Death Black Metal, Ambient
CD, Vinyl, Digital | Invictus Productions

1. Eltanin Shadowcast
2. Celestial
3. Major Tom (Coming Home)
4. Culmination
5. In Dusk Apparition

Kurz nach der Veröffentlichung von Fons immortalis begannen Vulpecula 1997 damit, neues Liedgut für das damals geplante Debütalbum Down among them zu schreiben und proben. Irgendwann 1998 waren die Aufnahmen abgeschlossen und als Resultat gab es vier neue Lieder die bis heute allerdings nie veröffentlicht wurden. Down among them wurde nicht realisiert und stattdessen gibt es nun, acht Jahre später diese MCD In dusk apparition.

In dusk apparition ist seinem Vorgänger Fons immortalis atmosphärisch recht nahe, jedoch stilistisch und strukturell nicht mehr so dunkel, tieftönig und raumfüllend. Die lauten Saiteninstrumente sowie der Gesang wurden entschärft, was einerseits ein wenig schade ist andererseits aber neuen Raum für komplexere Melodien gibt. Die Lieder werden allesamt in verschiedenen langsamen und schleppenden Rhythmen vom kraftvollen und leicht dumpf klingenden Schlagzeug vorgetragen. Chuck Keller (den ich gerade erst schon für das Ares Kingdom Album loben musste) sorgt an der Gitarre wieder für grandiose Momente. Es gibt viele dunkle Melodien und Riffs; die stellenweise wieder diese „spaceige“ (treibend in den endlosen Weiten der Sternenhaufen) Atmosphäre hervorruft, die auf Fons immoralis so präsent war. In dusk apparition ist aber abwechslungsreicher ausgefallen, was auch an der längeren Spielzeit der einzelnen Lieder liegt, die alle zwischen vier und sieben Minuten lang sind.

Major Tom (Coming home) ist keines der vier neuen Lieder, die damals im Zuge der Aufnahmen zu Down among them entstanden. Major Tom (Coming home) ist ein Coverstück von Peter Schilling aus dem Jahre 1984 und wurde bereits auf einer Kompilation von Vulpeculas damaliger Plattenfirma Eternal Darkness Productions veröffentlicht.

Ich kann jedem, der
Vulpecula (noch) kennt oder diesen alten schleppenden Metal mit seinen Riffgewittern mag, nur raten, sich diese schmucke MCD zuzulegen. Für die jüngeren bzw. modernen Hörer wird es hingegen wohl eher schwierig sein, Bezug zur Musik von Vulpecula zu bekommen. Das werden wohl die Meisten sein, denn schon damals, als Fons immortalis noch aktuell war, liefen die Verkäufe schleppend und die Resonanz war verhalten. Was soll's. Mir gefällt alles von Vulpecula ausgesprochen gut – so auch die neuste und zugleich letzte Veröffentlichung.


Montag, 8. August 2005

Odium Immortalis / Feindbild Mensch - Split

Odium Immortalis / Feindbild Mensch - Split
Odium Immortalis / Feindbild Mensch - Split
2004 | Black Metal
Vinyl |
Eigenproduktion


ODIUM IMMORTALIS
1. Ich bin gefallen…
2. Wolkenbruch

FEINDBILD MENSCH
3. Taste the Salt in Your Blood
4. Stück für Stück...


ODIUM IMMORTALIS haben einen Schritt in die richtige Richtung getan. Ihr Beitrag auf diesem 12“ Split Vinyl macht einen gereiften Eindruck wenn man einen Vergleich zu Die Schönheit der Einsamkeit zieht. Das Album vom vergangenen Jahr konnte mich ja nicht vollends überzeugen, was großteils am Gesang lag. Dieses Mal ist es aber anders, ODIUM IMMORTALIS benutzen auf den zwei vorliegenden Stücken kaum klare Gesänge, und wenn, dann behutsam und im richtigen Maße. Eine weitere Verbesserung zum Album ist der wärmere und kräftigere Klang, durch ihn kommt das Material besser und dezidierter zur Geltung. Egal ob bei den ruhigeren und melodischen Passagen, die stellenweise gar an neuere Nocte Obducta erinnern oder bei den schnellen und antreibenden Strecken von Wolkenbruch, welches insgesamt sehr flott und flüssig aus den Lautsprechern drängt.


Odium Immortalis / Feindbild Mensch - Split
Auch bei FEINDBILD MENSCH hat sich einiges getan, seit ihrer letzten und bisher einzigen
Veröffentlichung. Vor allem beim Klang gibt es die auffälligsten Veränderungen zu dem Demo von 2002. Im direkten Vergleich liegen die sprichwörtlichen Welten zwischen beiden Tonträgern. Der differenziertere und saubere Klang berührt die Atmosphäre der Düsseldorfer aber nicht, im Gegenteil, es ist alles sehr deutlich getrennt hörbar was besonders beim aufmerksamen Hören Früchte trägt. Denn FEINDBILD MENSCH haben einige gute Gitarrenmelodien in den zwei Liedern, nur sind diese wie versteckt und erschließen sich erst wenn man der Musik genau zuhört. Ebenso aussagekräftig wie an der Gitarre geben sich FEINDBILD MENSCH mit dem Gesang, der gut verständlich ist und gerade beim Taste the salt of your blood eindringlich und kehlig wirkt.


Beide Gruppen wissen mit ihrem Beitrag zu gefallen. ODIUM IMMORTALIS überzeugen mit dem ruhigeren und facettenreicheren Ich bin gefallen… genauso wie mit dem schnellen und direkten Wolkenbruch. Wird diese Art verinnerlicht und künftig beibehalten, kann man von der Band noch einiges interessantes erwarten. Ähnliches gilt auch für FEINDBILD MENSCH, die der fiesere und grimmigere Part auf der Platte sind und sich bis zur nächsten Veröffentlichung nicht wieder zwei bis drei Jahre Zeit lassen sollten.


Erschienen ist diese Split LP in einer Auflage von 525 Kopien.