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Samstag, 10. März 2018

Schlaasss - Yoga

Schlaasss - Yoga
Schlaasss - Yoga
2018 | Elektropunk, Rap
Digital | Atypeek Music

1. Yoga
2. Violence
3. Envy
4. Je me méfie des arbres
5. Éric la chauve-souris




Den Preis für das schönste Coverartwork werden SCHLAASSS für „Yoga“ definitiv nicht bekommen. Es ist vielmehr eine bewusste hässliche Provokation, was aber sehr gut zu den Franzosen passt. Die Elektroanarchisten ecken seit jeher an, da ist so ein fürchterliches Frontcover nur konsequent.


Musikalisch machen SCHLAASSS natürlich nach wie vor das, wofür man sie liebt oder hasst. Sie zelebrieren ihren Elektro-Grime-Punk ohne Rücksicht auf Verluste oder den guten Geschmack. Es geht mal wieder unter anderem um Sex und Geschlechtsteile, diesmal jedoch mit einem gesellschaftspolitischen Unterton („Envy“), wo es um die sexuelle Identität geht.


Obwohl „Yoga“ nur fünf Lieder umfasst, enthält die EP dennoch das breite Spektrum des SCHLAASSS-Klangkosmos. Mit dem lauten und harten Opener „Yoga“ zeigen sich SCHLAASSS voll auf Krawall gebürstet. Es ist ein kurzes, lautes und intensives Stück, irgendwie düster und sehr rhythmisch.


In der Mitte ist dann „Envy“ zu hören, welches gänzlich ruhig und balladesk ist und wo die gesanglichen Qualitäten von Charlie Dirty Dur und Daddy Schwartz in den Vordergrund treten. Die Musik wurde unter anderem an einem alten, wiederbelebten Casio-Synthesizer erzeugt, was dem Stück bisweilen eine leichte Retro-Atmosphäre beimischt.


Yoga“ ist laut und schrill, hässlich und hart, immer wieder bizarr und grotesk, zugleich aber auch harmonisch, gefühlvoll und kuschelig. Ich kann gar nicht anders, als „Yoga“ einfach toll zu finden. Seit meinem Erstkontakt mit den Franzosen bin ich überzeugter Schlaasssist.

Sonntag, 16. April 2017

Schlaasss - Casa Plaisance

Schlaasss - Casa Plaisance
Schlaasss - Casa Plaisance
2017 | Electropunk, Rap
Vinyl, CD, Digital | Atypeek Music, Schlaassclub




Zwei Jahre nach „Schlaasssch“ melden sich SCHLAASSS mit „Casa Plaisance“ zurück. Das Duo ist genau so laut und schräg wie damals. Die Zwei agieren anarchistisch und subversiv, loten die Grenzen des (guten) Geschmacks aus und scheren sich nicht um Tabus. SCHLAASSS sind anzüglich und obszön. Das galt für das Debüt und es gilt auch jetzt noch.


Insofern hat sich nicht viel verändert. Die Zwei funktionieren nach wie vor als Konzeptkünstler, wo das Visuelle das Auditive ergänzt. Die bunten und schrillen Videos, von denen es sehr viele gibt, gehören unbedingt dazu. Die Musik funktioniert viel besser, wenn man sich die Bewegtbilder anschaut, zumal nicht jeder die französischen Texte verstehen dürfte.


Mir gefällt „Casa Plaisance“ genau so gut wie einst das Debüt. Die elektronische Musik ist mitreißend und hochgradig tanzbar. Stillsitzen fällt schwer und auch die Sprechgesänge des Duos haben einen guten Flow. Das elektronische Klanggerüst reicht von ruhig und kuschelig bis laut und forsch. Die Arrangements sind recht komplex und effektgeladen, mal werde ich an schlichten Cybergrind erinnert, woanders geht es in Richtung Gangsta Rap. Im Prinzip folgen SCHLAASSS keinem musikalischen Leitfaden.


Die Musik ist frech, augenzwinkernd und stilübergreifend. Es ist eben Electropunk. Im direkten Vergleich zum Debüt ist „Casa Plaisance“ rein musikalisch betrachtet aber etwas weniger plakativ, es geht diesmal ein wenig ruhiger und harmonischer zu. Während es auf dem Debüt viele laute und harsche Stücke gab, sind sie nun in der Unterzahl. Die Musik ist nicht permanent schrill und auf 180, wobei dies aber nicht bedeutet, es würde nicht laut werden. „Casa Plaisance“ ist einfach eine Spur differenzierter und bietet ruhigeren Tönen mehr Raum. Ein würdiger Nachfolger ist es aber allemal.


Freunde des schlechten, schrillen Geschmacks und Electroanarchisten sollten also unbedingt reinhören bzw. sich die Videos ansehen.

Donnerstag, 11. Juni 2015

Schlaasss – Slaasssch

Schlaasss – Slaasssch
Schlaasss – Slaasssch
2015 | Rap, Elektro Punk
Digital / CD / Vinyl | Atypeek Music

1. Zéro
2. Selfie
3. La Bagarre
4. Salope
5. Crève
6. Interlude Tapin
7. Pin Pon
8. La Love
9. Paris Satan
10. Kilimandjaro
11. Interlude Minouche
12. I Want To Be With You
13. Onani
14. Interlude Tigidiyayé
15. Hippie
16. Miaou
17. Anvers




Das französische Trio SCHLAASSS existiert seit 2012 und veröffentlichte kürzlich mit „Slaasssch“ sein zweites Album. Die Drei machen eine wilde Mischung aus französischsprachigen Rap und Electropunk. Dies ist nicht gerade mein Spezialgebiet aber dennoch geht von den abgefahrenen Franzosen ein gewisser Reiz aus.



Denn das was SCHLAASSS machen ist mehr als einfach nur Musik. Es wird einerseits viel gerappt, es wechseln sich dabei eine Frau und ein Mann permanent ab und es gibt vielfältige Beats, die das unbeschreiblich breite Spektrum der elektronischen Musik abdecken. Doch dabei belassen es SCHLAASSS nicht. Vielmehr ist das Trio eine künstlerische Truppe mit einer Vorliebe fürs Obskure. Die Liveauftritte sind schrill und bunt, teils auch anzüglich und provokativ, doch mit viel Liebe zum Detail. Die Musik ist einerseits überaus tanzbar, andererseits aber auch sehr fordernd, da abwechslungsreich und sehr lebendig. Mir gefällt die anarchische Vermischung von Electropunk und Rap, was mich immer wieder an ein wenig an Cybergrind erinnert, den ich wesentlich besser kenne als das was SCHLAASSS machen.



Da die Texte ausschließlich auf Französisch sind, weiß ich leider nicht genau worum es geht, wobei es definitiv nicht immer ernste Themen sind, oder wie ausgeprägt Sprachwitz, Wortgewalt und Reime sind. Kreativ scheinen SCHLAASSS aber allemal zu sein, darauf deuten die vielen visuellen Aspekte hin. Die CD wird etwa in einer dicken bedruckten Papiertüte, wie man sie vom halben Brathähnchen kennt, verkauft. Das Vinyl hingegen wohnt hingegen in einem bedruckten Pizzakarton.



Wer ausgefallene Tonträger und/oder elektronische Musik schätzt und sammelt, der sollte sich SCHLAASSS mal genauer (Youtube) ansehen und anhören. Die Beats und Harmonien gefallen mir, zumal das Ganze auch etwas eigensinnig und obskur ist, obgleich das Album auch sehr sprunghaft und anstrengend sein kann.