2017 | Electropunk, Rap
Vinyl, CD, Digital | Atypeek Music, Schlaassclub
Zwei Jahre
nach „Schlaasssch“ melden sich SCHLAASSS mit „Casa Plaisance“
zurück. Das Duo ist genau so laut und schräg wie damals. Die Zwei
agieren anarchistisch und subversiv, loten die Grenzen des (guten)
Geschmacks aus und scheren sich nicht um Tabus. SCHLAASSS sind
anzüglich und obszön. Das galt für das Debüt und es gilt auch
jetzt noch.
Insofern
hat sich nicht viel verändert. Die Zwei funktionieren nach wie vor
als Konzeptkünstler, wo das Visuelle das Auditive ergänzt. Die
bunten und schrillen Videos, von denen es sehr viele gibt, gehören
unbedingt dazu. Die Musik funktioniert viel besser, wenn man sich die
Bewegtbilder anschaut, zumal nicht jeder die französischen Texte
verstehen dürfte.
Mir gefällt
„Casa Plaisance“ genau so gut wie einst das Debüt. Die
elektronische Musik ist mitreißend und hochgradig tanzbar.
Stillsitzen fällt schwer und auch die Sprechgesänge des Duos haben
einen guten Flow. Das elektronische Klanggerüst reicht von ruhig und
kuschelig bis laut und forsch. Die Arrangements sind recht komplex
und effektgeladen, mal werde ich an schlichten Cybergrind erinnert,
woanders geht es in Richtung Gangsta Rap. Im Prinzip folgen SCHLAASSS
keinem musikalischen Leitfaden.
Die Musik
ist frech, augenzwinkernd und stilübergreifend. Es ist eben
Electropunk. Im direkten Vergleich zum Debüt ist „Casa Plaisance“
rein musikalisch betrachtet aber etwas weniger plakativ, es geht
diesmal ein wenig ruhiger und harmonischer zu. Während es auf dem
Debüt viele laute und harsche Stücke gab, sind sie nun in der
Unterzahl. Die Musik ist nicht permanent schrill und auf 180, wobei
dies aber nicht bedeutet, es würde nicht laut werden. „Casa
Plaisance“ ist einfach eine Spur differenzierter und bietet
ruhigeren Tönen mehr Raum. Ein würdiger Nachfolger ist es aber
allemal.
Freunde des
schlechten, schrillen Geschmacks und Electroanarchisten sollten also
unbedingt reinhören bzw. sich die Videos ansehen.
