Samstag, 16. Dezember 2017

Wolves In The Throne Room - Thrice Woven

Wolves In The Throne Room - Thrice Woven
Wolves In The Throne Room - Thrice Woven
2017 | Black Metal
Vinyl, Kassette, CD, Digital | Artemisia Records

1. Born From The Serpent's Eye
2. The Old Ones Are With Us
3. Angrboda
4. Mother Owl, Father Ocean
5. Fires Roar In The Palace Of The Moon

Aaron Weaver - Schlagzeug, Synthesizer
Nathan Weaver - Gesang, Gitarren
Kody Keyworth - Gesang, Gitarre
Anna von Hausswolff - Gesang (Gast)
Steve von Till - Gesang, Akustikgitarre (Gast)
Zeynep Oyku Yilmaz - Harfe (Gast)




Auf WOLVES IN THE THRONE ROOM bin ich damals eher zufällig gestoßen. Eigentlich bin ich gestoßen worden, weil mir jemand etwas Gutes tun wollte und mir das Album ungefragt nach Hause schickte. Es war das Jahr 2006 und die Amerikaner hatten soeben ihr Debütalbum „Diadem Of 12 Stars“ veröffentlicht. Das Album ist ein Meilenstein und WOLVES IN THE THRONE ROOM starteten einen kometenhaften Aufstieg, sie wurden quasi zu Mitbegründern des Atmospheric Black Metal* und Cascadian Black Metal** und machten den Black Metal wohl auch hip.

Mich hauten die Amerikaner mit „Diadem Of 12 Stars“ jedenfalls regelrecht um. Das Album begleitete mich eine sehr lange Zeit, da es für mich eine perfekte Verschmelzung von Melodik, Melancholie, Kälte und grimmiger Rauheit war. Es sollte unerreicht bleiben***. Alles was von den Wölfen danach kam, vermochte mich nicht mehr so tief zu berühren wie das Debüt. Zuletzt probierte ich WOLVES IN THE THRONE ROOM 2009 als „Black Cascade“ heraus kam, doch es langweilte mich. Alles was darauf folgte, ging an mir ungehört vorüber. Bis heute.

Das 2014 erschienene Ambient-Instrumentalalbum „Celestite“ kam in der Presse ja nicht so gut an. Deshalb wird das im Spätsommer veröffentlichte „Thrice Woven“ von einigen Stellen als das erste „echte“ Album seit sechs Jahren betrachtet. Erwartungen hatte ich keine, und von den Socken haut es mich auch nicht, allerdings gibt es einige nette Arrangements, die mich schon ein wenig positiv überraschten.

Auf mich wirkt „Thrice Woven“ stellenweise extrem norwegisch. Skandinavische Anleihen sind zwar nichts Neues für WOLVES IN THE THRONE ROOM, doch die Präsenz des Norwegischen überraschte mich. Allerdings ist diese norwegische Grimmigkeit und Härte sehr gut und authentisch gemacht. Die norwegischen Vorbilder hätten es nicht besser machen können.

Ansonsten ist „Thrice Woven“ extrem vielfältig und hochgradig professionell gemacht. Neben dem Stammtrio sind einige Gastmusiker zu hören, darunter Steve von Till von NEUROSIS, die schwedischer Musikerin Anna von Hausswolff oder die türkische Harfeinistin Zeynep Oyku Yilmaz.

Alles zusammen ergibt ein Album, das traditionellen Black Metal mit Blackgaze, Doom und viel Abwechslung in sich vereint. Im Grunde kommt jeder auf seine Kosten, da es von allem etwas gibt und weil alles einfach gut und glaubwürdig gemacht wurde. Da zahlt sich die jahrelange Erfahrung aller Beteiligter aus.

„Thrice Woven“ gefällt mir am besten, wenn es langsam, bisweilen regelrecht schleppend und doomig wird. Dann treffen WOLVES IN THE THRONE ROOM am ehesten meinen Geschmacksnerv, dann empfinde ich die Melodien am ansprechendsten. Andererseits gibt es schnelle Parts, in denen dann komplexe und abstrakte Gitarren zu hören sind, die mich total nerven und mich ein wenig an EMPEROR erinnern, die ich nie wirklich mochte, weil sie mir einfach viel zu kompliziert und anstrengend waren.

Dennoch bin ich von „Thrice Woven“ angenehm überrascht. Es kitzelt mich zwar nicht und haut mich auch nicht um, wie einst das Debütalbum. Doch gemessen an meiner erwartungslosen Haltung gelang WOLVES IN THE THRONE ROOM zumindest ein Achtungserfolg.

*Ich bin mir nicht sicher, aber diese Stilbezeichnung war bis dahin nicht wirklich salonfähig.

**Ich habe bis heute nicht verstanden, was genau das sein soll und worin die Unterschiede zu den anderen Black-Metal-Subgenres bestehen.

*** Lediglich A FOREST OF STARS gelang es mit „The Corpse Of Rebirth“ mich vergleichbar intensiv und nachhaltig zu beeindrucken.

Freitag, 1. Dezember 2017

Ökomisanthrop - I Deny

Ökomisanthrop - I DenyÖkomisanthrop - I Deny
2017 | Death Black Metal
Kassette | Worship Tapes

1. Black Roots
2. May I Rot In The Woods
3. Poison The Heavens
4. Ökomisanthrop




Die Naturverbundenheit ist immer mal wieder Thema im Black Metal und seinen verwandten Subgenres. Im Death Metal fällt mir auf die Schnelle keine Band mit explizitem Naturbezug ein, schon gar nicht so direkt, plakativ und womöglich auch provozierend wie es im Falle von ÖKOMISANTHROP ist. Der Bandname ist in jedem Fall ungewöhnlich und wird sicherlich Aufmerksamkeit erregen. Es steckt Waheela dahinter, der mir bereits mit seinem Black-Metal-Projekt SIECHTUM über den Weg lief. Unter dem Banner ÖKOMISANTHROP haut er einem menschenverachtenden Death Metal um die Ohren.



Die Kassetten-EP „I Deny“ enthält vier ungeschliffene und ehrliche Death-Metal-Stücke mit einigen schwarzen Spitzen. Sie sind zwar schroff und roh, zugleich aber auch abwechslungsreich. Ein wenig erscheint mir Waheela ein Tiefstapler zu sein, so weist er im Faltblatt auf die unprofessionelle Produktion und das schlechte Equipment hin. Sicher, „I Deny“ ist keine teure und glatt geschliffene Hochglanzproduktion, aber so schlecht und dilettantisch, wie der Hinweis suggerieren möchte, ist „I Deny“ wahrhaftig nicht. Außerdem würde ich bei einer solchen Kassettenproduktion auch gar nichts anderes erwarten.



Angesichts der Tatsache dass Waheela alles alleine einspielte, empfinde ich „I Deny“ sehr komplett und gut gemacht. Jedenfalls gab und gibt zahllose Ein-Mann-Bands, die man sich besser nicht anhören sollte.



Wie auch immer. „I Deny“ ist scheppernder und angerauter Death Metal, der mich immer wieder an die 90iger erinnert. Die schleppende bis mittelschnelle Rhythmik, die tief tönenden Gitarren sowie das harmonische Gerüst deuten immer wieder auf jene Zeit hin. Die Instrumente kommen mit etwas Hall, die Becken zischeln und fauchen, die Trommeln poltern und stampfen und die Gitarren dröhnen mitunter übellaunig, ohne jedoch das harmonische Moment zu vernachlässigen. Auch wenn die Arrangements oft lärmen, gibt es immer wieder melodische, harmonische und atmosphärische Einschübe.



I Deny“ ist sicherlich unvollkommen. Doch für einfache und selbst gemachte Proberaumaufnahmen hören sich die vier Lieder verdammt gut an. Ich liebe solchen natürlichen Klang jedenfalls. Ich verbinde damit automatisch ein intensives Gefühl der Authentizität. Da ist es mir scheißegal, ob der Klang mal etwas undifferenziert ist, die Bässe zu sehr dröhnen oder sich ein Part etwas zu sehr in die Länge zieht. Es geht schlicht um das Gefühl. Und in dieser Hinsicht überzeugt Waheela mit ÖKOMISANTHROP. Wenn ich mir die EP anhöre, bekomme ich einfach unheimlich Bock in meinem Plattenschrank zu wühlen und nach Platten und Bands zu suchen, die ich ewig nicht mehr gehört habe.



Insofern: Feines Tape, limitiert auf 100 Kopien. Sollte man unbedingt unterstützen!