Marla & David Celia - Daydreamers
2018 | Singer Songwriter, Folk
Vinyl, CD, Digital | eliterecords
„Daydreamers“ ist das erste gemeinsame Studioalbum von Marla & David Celia, die sich auf einem Konzert in Marlas Heimatstadt Heidelberg kennenlernten. Die Zusammenkunft ist einem Zufall oder unglücklichem Umstand geschuldet, seitdem sind beide unzertrennlich. Sie spielten gemeinsam zahllose Konzerte in Europa, Kanada und Russland, er produzierte ihr Album „Madawaska Valley“. Schließlich entstand das gemeinsame Debütalbum in einem Vorort von Toronto und in der transsibirischen Eisenbahn während einer ausgedehnten Russlandtournee.
Die elf Lieder kann man als eine Art musikalisches Reisetagebuch verstehen. Sie sind der ideale Soundtrack eines Roadmovie. Die Arrangements sind komplett unaufgeregt und erinnern mich mit ihrer zarten Melodik und zerbrechlichen Intimität an Lagerfeuerromantik. Einfach die Akustikgitarre auspacken und mitsingen.
Marla & David Celia legen mit „Daydreamers“ ein Album hin, welches im digitalen Leistungszeitalter wie ein Anachronismus wirkt. Jedenfalls wirken die Arrangements auf mich, die sich irgendwo zwischen Folk, Americana, Country und Singer Songwriter hin und her bewegen, entschleunigend und wie ein Balsam auf meine vom Alltag geschundene Seele.
Obwohl die Zwei mit ihrer Musik nicht wirklich meinen musikalischen Geschmack treffen, kann ich nichts Kritikwürdiges in ihr finden. Marla & David Celia spielen absolut liebenswürdige Musik, der man sich eigentlich nur als tauber Totalverweigerer entziehen kann. Marla & David Celia sind authentisch, sie können beide Singen, haben zauberhafte Stimmen und sind ebenso gute Gitarrenspieler.
Freitag, 17. August 2018
Freitag, 18. Mai 2018
Tusmørke - Fjernsyn I Farver
Tusmørke - Fjernsyn I Farver
2018 | Progressive Folk Rock
Vinyl, CD, Digital | Karisma Records
1. Fjernsyn I Farver
2. Kniven I Kurven
3. Borgerlig Tussmørke
4. 3001
5. Death Czar
6. Tøyens Hemmelighet
Ich muss gestehen, dass ich die Besprechung von „Fjernsyn I Farver“ von TUSMØRKE auf die lange Bank schob als ich las, dass es sich hierbei um Progressive Folk Rock handeln würde. Prog Rock für sich allein ist für mich bereits immer sehr schwierig und Folk Rock war für mich viele Jahre lang ein rotes Tuch. Jetzt kommt beides zusammen, wie schrecklich, so mein Gedanke, was für ein Graus. Als ich mir „Fjernsyn I Farver“ dann das erste Mal anhörte, wurde ich jedoch überrascht.
„Fjernsyn I Farver“, was Farbfernsehen übersetzt heißt, ist das sechste Album und zog mich schon nach wenigen Sekunden in seinen Bann. Das Album beginnt mit dem Titellied, welches mich am Anfang ganz kurz ob seiner Melodik, Rhythmik und norwegischen Sprache ein wenig an den norwegische (Folk) Black Metal erinnert*.
Recht schnell präsentieren TUSMØRKE ihre Qualitäten. Die relativ langen Lieder sind überaus vielfältig, wendungsreich und es ist eine unüberschaubare Anzahl an Instrumenten zu hören. Vor allem die große Zahl an Tasteninstrumenten ist atemberaubend. Es kamen verschiedene Keyboards, Pianos und Orgeln analoger und digitaler Bauweise zum Einsatz. Im Zusammenspiel mit den Flöten und dem Bass entstand eine dynamische und streckenweise sonderbare Musik, die mal mehr Folk Rock, mal mehr Progressive Rock ist.
Besonders gut gefallen mir die folkigen Arrangements, weil TUSMØRKE komplett auf Kitsch und plakative Effekthascherei verzichteten. Stellenweise nehme ich sogar die eine und andere düstere Note, überaus subtil im bunten Treiben versteckt, wahr. Gleichzeitig ist die Musik aber auch mit einer Freude und guten Laune beglückt worden, die mich an einen Zirkus oder Jahrmarkt denken lässt.
Letztlich ist „Fjernsyn I Farver“ überragend, ganz einfach deshalb, weil es TUSMØRKE gelang, mich Kostverächter zu überzeugen. Ich liebe die Melodien, welche hin und wieder eigensinnig sind und fast ins Disharmonische gleiten, die überraschenden Breaks und die grandiose Instrumentierung. Die Musik ist gewiss komplex, aber niemals anstrengend, so wie ich es oft im Prog Rock erleben musste. Das Album macht Spaß und es deckt musikalisch und stimmungstechnisch eine unbeschreiblich breite und gleichermaßen unterhaltsame Palette ab. „Fjernsyn I Farver“ ist laut und energetisch, folkig und progressiv, aber auch leise sowie gefühlvolle Arrangements haben ihren Platz.
* Mit Black Metal hat die Musik von TUSMØRKE natürlich rein gar nichts zu tun, allerdings bin ich mit dem norwegischen Black Metal der Neunziger groß geworden. Viele Bands griffen (und viele tun es noch heute) auf spezielle Melodien und Instrumente des Folk Rocks zurück, was ich eben hier stellenweise wiederfinde und das mich an die Bands von einst erinnert. Aus jener Zeit rührt auch meine Abneigung gegenüber Folk Rock und Folk Metal, weil mir die meisten Bands viel zu übertrieben, plakativ und fröhlich daher kamen.
2018 | Progressive Folk Rock
Vinyl, CD, Digital | Karisma Records
1. Fjernsyn I Farver
2. Kniven I Kurven
3. Borgerlig Tussmørke
4. 3001
5. Death Czar
6. Tøyens Hemmelighet
Ich muss gestehen, dass ich die Besprechung von „Fjernsyn I Farver“ von TUSMØRKE auf die lange Bank schob als ich las, dass es sich hierbei um Progressive Folk Rock handeln würde. Prog Rock für sich allein ist für mich bereits immer sehr schwierig und Folk Rock war für mich viele Jahre lang ein rotes Tuch. Jetzt kommt beides zusammen, wie schrecklich, so mein Gedanke, was für ein Graus. Als ich mir „Fjernsyn I Farver“ dann das erste Mal anhörte, wurde ich jedoch überrascht.
„Fjernsyn I Farver“, was Farbfernsehen übersetzt heißt, ist das sechste Album und zog mich schon nach wenigen Sekunden in seinen Bann. Das Album beginnt mit dem Titellied, welches mich am Anfang ganz kurz ob seiner Melodik, Rhythmik und norwegischen Sprache ein wenig an den norwegische (Folk) Black Metal erinnert*.
Recht schnell präsentieren TUSMØRKE ihre Qualitäten. Die relativ langen Lieder sind überaus vielfältig, wendungsreich und es ist eine unüberschaubare Anzahl an Instrumenten zu hören. Vor allem die große Zahl an Tasteninstrumenten ist atemberaubend. Es kamen verschiedene Keyboards, Pianos und Orgeln analoger und digitaler Bauweise zum Einsatz. Im Zusammenspiel mit den Flöten und dem Bass entstand eine dynamische und streckenweise sonderbare Musik, die mal mehr Folk Rock, mal mehr Progressive Rock ist.
Besonders gut gefallen mir die folkigen Arrangements, weil TUSMØRKE komplett auf Kitsch und plakative Effekthascherei verzichteten. Stellenweise nehme ich sogar die eine und andere düstere Note, überaus subtil im bunten Treiben versteckt, wahr. Gleichzeitig ist die Musik aber auch mit einer Freude und guten Laune beglückt worden, die mich an einen Zirkus oder Jahrmarkt denken lässt.
Letztlich ist „Fjernsyn I Farver“ überragend, ganz einfach deshalb, weil es TUSMØRKE gelang, mich Kostverächter zu überzeugen. Ich liebe die Melodien, welche hin und wieder eigensinnig sind und fast ins Disharmonische gleiten, die überraschenden Breaks und die grandiose Instrumentierung. Die Musik ist gewiss komplex, aber niemals anstrengend, so wie ich es oft im Prog Rock erleben musste. Das Album macht Spaß und es deckt musikalisch und stimmungstechnisch eine unbeschreiblich breite und gleichermaßen unterhaltsame Palette ab. „Fjernsyn I Farver“ ist laut und energetisch, folkig und progressiv, aber auch leise sowie gefühlvolle Arrangements haben ihren Platz.
* Mit Black Metal hat die Musik von TUSMØRKE natürlich rein gar nichts zu tun, allerdings bin ich mit dem norwegischen Black Metal der Neunziger groß geworden. Viele Bands griffen (und viele tun es noch heute) auf spezielle Melodien und Instrumente des Folk Rocks zurück, was ich eben hier stellenweise wiederfinde und das mich an die Bands von einst erinnert. Aus jener Zeit rührt auch meine Abneigung gegenüber Folk Rock und Folk Metal, weil mir die meisten Bands viel zu übertrieben, plakativ und fröhlich daher kamen.
Mittwoch, 2. Mai 2018
Caudal - Fight Cry Fight
Caudal
- Fight Cry Fight
2018 | Instrumental Rock, Drone
Kassette, Digital | Katuktu Collective
1. Intro
2. Well, I Suppose
3. Divisible
4. Slope
5. Flourish
6. Low Red
7. Sunwashed
8. The Blue Meds
9. Duelo
10. Outro (nur auf Kassette)
Aidan Baker – Gitarre
Felipe Salazar – Schlagzeug
Gareth Sweeney – Bass
Mit ihrem neuen Album „Fight Cry Fight“ gelang es den drei Trancepunkern doch glatt, mich zu überraschen. Das neue Album ist kleinteiliger, und damit auch dynamischer geworden. Während CAUDAL bisher auf lange Lieder setzten und eine Veröffentlichung maximal vier Stücke aufwies, kommt „Fight Cry Fight“ mit neun (digital) bzw. zehn (Kassette) Arrangements.
2018 | Instrumental Rock, Drone
Kassette, Digital | Katuktu Collective
1. Intro
2. Well, I Suppose
3. Divisible
4. Slope
5. Flourish
6. Low Red
7. Sunwashed
8. The Blue Meds
9. Duelo
10. Outro (nur auf Kassette)
Aidan Baker – Gitarre
Felipe Salazar – Schlagzeug
Gareth Sweeney – Bass
Mit ihrem neuen Album „Fight Cry Fight“ gelang es den drei Trancepunkern doch glatt, mich zu überraschen. Das neue Album ist kleinteiliger, und damit auch dynamischer geworden. Während CAUDAL bisher auf lange Lieder setzten und eine Veröffentlichung maximal vier Stücke aufwies, kommt „Fight Cry Fight“ mit neun (digital) bzw. zehn (Kassette) Arrangements.
Das Trio
ist sich zwar treu geblieben, jedoch ohne im Stillstand zu verharren.
Im Vordergrund stehen nach wie vor ruhige Instrumentalarrangements,
allerdings gibt es im Detail die eine und andere Variation oder
Neuerung, die das neue Album von vorherigen Veröffentlichungen ein
wenig unterscheidbar macht. Immer wieder mal sind Synthesizer- oder
Keyboards begleitend zu hören. Deren sphärische Harmonien lockern
das Ganze luftig auf und verleihen der Musik eine besondere Note. Der
Einsatz ist zwar kein Novum, doch in der hier vorliegenden Prägung
durchaus eine Neuerung, die sich übrigens hervorragend in die
Orchestrierung aus Gitarre, Bass und Schlagzeug einfügt.
Aber auch
der eine und andere flott gespielte Part sorgt für Kontrastierung
und Dynamik. In „Duele“, welches am Ende des Albums zu hören
ist, wird es für CAUDALs Verhältnisse antreibend schnell und auch
laut. Es ist ein energisches und aufrüttelndes, in Teilen regelrecht
lärmendes Arrangement, zumal der davor liegende Track doch ziemlich
zurückhaltend und entspannend war. Das sind dann solche Momente und
Kontraste, für die ich CAUDAL liebe. Da stehen drei Musiker mit drei
unterschiedlichen Instrumenten, und sie spielen einfach nur
Instrumentalmusik. Die Voraussetzungen sind denkbar minimalistisch.
Trotzdem sind sie in der Lage so unbeschreiblich vielfältige und
emotionale Musik zu kreieren, dass ich Gänsehaut bekomme. Das finde
ich immer wieder faszinierend, das hat für mich eine ganz besondere
Magie.
Mit dem
Lied „Slope“ gibt es auf „Fight Cry Fight“ einen alten
Bekannten, denn das Lied befindet sich auch auf der EP „slope/land“.
Allerdings ist es dort doppelt so lang und die neu eingespielte
Version klingt differenzierter und klarer, was neue Aspekte
offenbart. „Slope“ fügt sich so jedenfalls perfekt ins Album ein
und fällt kaum als ‚Wiederholung‘ auf.
„Fight
Cry Fight“ ist ein tolles und besonderes Album. Es ist vielfältig
und fantastisch arrangiert. Jedes einzelne Instrument kommt herrlich
zur Geltung, die Melodien sind traumhaft und auch das atmosphärische
Gesamtmoment wurde fein komponiert. „Fight Cry Fight“ ist anders,
und doch auch nicht. Wirklich etwas Neues haben CAUDAL nicht gemacht.
Schnellere Arrangements, laute Parts oder elektronische Klänge gab
es auch schon früher. Doch die Kleinteiligkeit und die daraus
resultierende Dynamik, sowie die damit einhergehende gefühlte
Wahrnehmung sind anders und neu. Für mich ist es definitiv ein
überragendes Album in einer außergewöhnlichen Diskographie.
Dienstag, 10. April 2018
Wrekmeister Harmonies - The Alone Rush
Wrekmeister
Harmonies - The Alone Rush
13.04.2018 | Doom, Folk, Drone
Vinyl, CD, Digital | Thrill Jockey Records
1. A 300 Year Old Slit Throat
2. Descent Into Blindness
3. Behold! The Final Scream
4. Covered In Blood From Invisible Wounds
5. Forgive Yourself And Let Go
6. The Alone Rush
13.04.2018 | Doom, Folk, Drone
Vinyl, CD, Digital | Thrill Jockey Records
1. A 300 Year Old Slit Throat
2. Descent Into Blindness
3. Behold! The Final Scream
4. Covered In Blood From Invisible Wounds
5. Forgive Yourself And Let Go
6. The Alone Rush
Minimalismus
hat schon etwas für sich. Das Frontcover des neuen Albums zeigt
nicht viel. Es sind gedeckte, dunkle Farben zu sehen, ein einfach
gehaltener Schriftzug sowie ein Foto, welches das Duo J.R. Robinson
und Esther Shaw zeigt. Gerade die Fotografie ist es, die ich als so
spannend und vielsagend wahrnehme, obwohl sie eigentlich kaum etwas
verrät. Dafür bietet sie umso mehr Interpretationsspielraum. Es ist
der Blick von Robinson, wie er von oben rechts, den Kopf leicht
geneigt, hinunter zu Shaw schaut, der mich fasziniert. In seiner
Haltung und in seinem Blick liegt etwas Offenes und Verletzliches,
gleichzeitig aber auch eine in sich ruhende Kraft, so als wäre er
mit sich im Reinen. Das ist natürlich meine Interpretation und hat
wahrscheinlich nichts mit der Realität zu tun, aber das muss es auch
gar nicht. Die Aufgabe von Musik ist es doch zu berühren, Geist und
Herz zu öffnen, und das gelingt bereits mit diesem schlichten Cover.
Für die
Aufnahmen und Vorbereitungen zu „The Alone Rush“ zogen sich
Robinson und Shaw zwei Jahre aus Chicago in die am Pazifik liegende
Kleinstadt Astoria zurück. Das Duo musste sich von dem Tod einer
nahestehenden Person und von der Erschöpfung, die das Pflegen eines
chronisch kranken Angehörigen mit sich bringt, erholen. In Astoria
wurden seelische Wunden geheilt und es wurde komponiert.
Dabei
herausgekommen ist „The Alone Rush“, welches, was für
WREKMEISTER HARMONIES typisch ist, von der Literatur inspiriert
wurde. Unter anderem stand der britische Journalist und Autor George
Monbiot Pate, dessen Essay „The age of loneliness is killing us“
bei den Musikern Anklang fand. Es geht dort um soziale Isolation und
wie lebensverkürzend sie wirkt. Aber auch der anrührende Roman
„Lincoln in the Bardo“ von George Saunders ist Quell und
Gegenstand des Albums. Saunders erzählt dort die Geschichte von
Abraham Lincoln, der am Grab seines elfjährigen Sohnes steht, der
sich im buddhistischen Bardo, einer Übergangswelt zwischen
Wiedergeburt und Tod, befindet.
Man könnte
„The Alone Rush“ vielleicht als Trauerbewältigung verstehen.
Jedenfalls ist das neue Album ein sehr ruhiges geworden. Wenn man es
mit seinem Vorgänger „Light Falls“ vergleicht, ist vom Doom kaum
etwas geblieben. „The Alone Rush“ ist vielmehr ein weitgehend
akustisches Werk, welches durch die natürlichen Instrumente und
Robinsons sonorer Gesangsstimme besticht. Schwere, verzerrte
Gitarren, wie sie vor zwei Jahren immer wieder mal zu hören waren,
sind kaum noch vorhanden. Allerdings gibt es hin und wieder
Kontraspunkte, dann werden WREKMEISTER HARMONIES mal kurz laut,
mitunter auch drückend oder disharmonisch und lärmend.
Durch
diesen selten gewordenen Spannungspitzen geht einerseits ein Teil der
spezielle Spannung von „Light Falls“ verloren, andererseits wird
eine neue Intimität erschaffen, wie man sie von der Kammermusik her
kennt, woran Klarinette und Violine nicht ganz unschuldig sind. „The
Alone Rush“ ist in weiten Teilen tieftraurige Musik. Es ist eine
besondere Form der Traurigkeit, eine, die das Unvermeidbare
akzeptiert, eine, die nicht hoffnungslos ist sondern sie als ein Teil
des Lebens versteht. Dadurch kann auch etwas besonders Schönes
entstehen, wie WREKMEISTER HARMONIES hier eindringlich zeigen.
Trotz aller
Elegie und ruhender Schwere ist „The Alone Rush“ ein wunderbar
arrangiertes und komplexes Werk mit vielen kleinen Details. Bereits
„Light Falls“ haute mich damals um, und „The Alone Rush“
steht dem in nichts nach, auch wenn es ein wenig anders, nämlich
zurückhaltender, ist.
Am 15. Mai
sind die übrigens im Berliner Urban Spree zu hören und sehen.
Samstag, 10. März 2018
Schlaasss - Yoga
Schlaasss
- Yoga
2018 | Elektropunk, Rap
Digital | Atypeek Music
1. Yoga
2. Violence
3. Envy
4. Je me méfie des arbres
5. Éric la chauve-souris
2018 | Elektropunk, Rap
Digital | Atypeek Music
1. Yoga
2. Violence
3. Envy
4. Je me méfie des arbres
5. Éric la chauve-souris
Den Preis
für das schönste Coverartwork werden SCHLAASSS für „Yoga“
definitiv nicht bekommen. Es ist vielmehr eine bewusste hässliche
Provokation, was aber sehr gut zu den Franzosen passt. Die
Elektroanarchisten ecken seit jeher an, da ist so ein fürchterliches
Frontcover nur konsequent.
Musikalisch
machen SCHLAASSS natürlich nach wie vor das, wofür man sie liebt
oder hasst. Sie zelebrieren ihren Elektro-Grime-Punk ohne Rücksicht
auf Verluste oder den guten Geschmack. Es geht mal wieder unter
anderem um Sex und Geschlechtsteile, diesmal jedoch mit einem
gesellschaftspolitischen Unterton („Envy“), wo es um die sexuelle
Identität geht.
Obwohl
„Yoga“ nur fünf Lieder umfasst, enthält die EP dennoch das
breite Spektrum des SCHLAASSS-Klangkosmos. Mit dem lauten und harten
Opener „Yoga“ zeigen sich SCHLAASSS voll auf Krawall gebürstet.
Es ist ein kurzes, lautes und intensives Stück, irgendwie düster
und sehr rhythmisch.
In der
Mitte ist dann „Envy“ zu hören, welches gänzlich ruhig und
balladesk ist und wo die gesanglichen Qualitäten von Charlie Dirty
Dur und Daddy Schwartz in den Vordergrund treten. Die Musik wurde
unter anderem an einem alten, wiederbelebten Casio-Synthesizer
erzeugt, was dem Stück bisweilen eine leichte Retro-Atmosphäre
beimischt.
„Yoga“
ist laut und schrill, hässlich und hart, immer wieder bizarr und
grotesk, zugleich aber auch harmonisch, gefühlvoll und kuschelig.
Ich kann gar nicht anders, als „Yoga“ einfach toll zu finden.
Seit meinem Erstkontakt mit den Franzosen bin ich überzeugter
Schlaasssist.
Dienstag, 6. März 2018
Sleeping Pandora - From Above
Sleeping
Pandora - From Above
2018 | Space Rock
CD, Digital | Eigenproduktion
1. Shine
2. Überschall
3. Danube Wave
4. Cascades
5. Going Black
6. Space Lane
7. White Sea Cruise (Nicht auf CD)
8. Beach
Erst vor wenigen Monaten forderte mich Mathias Rosmann mit dem Debütalbum seines Soloprojekts SLEEPING PANDORA heraus, und nun gibt es bereits Nachschub, in der Form des Nachfolgers „From Above“. Rosmann knüpft nahtlos ans Debütalbum an und zelebriert erneut eine epische Reise durch spaceig arrangierte Instrumentalgefilde.
Die Lieder sind lang. Zwischen neun und zwölf Minuten, was bei den acht Titeln der digitalen Distribution zu einer Spielzeit von rund 90 Minuten führt. Viel Zeit also, um sich den eigenen Gedanken zu widmen, um den Blick über den Horizont schweifen zu lassen, um zu entspannen und abzuschalten. Etwas anderes kann man beim Hören von „From Above“ gar nicht tun. Etwas anderes als Entspannung lassen die sphärischen, harmonischen und bedächtigen Darbietungen von Rosmann gar nicht zu.
Im Zentrum der meditativen Arrangements steht das virtuose Gitarrenspiel. Sein Spiel ist, wie schon zuvor auf „Quiet Pass“, vielfältig und lebendig, gleichzeitig aber stets harmonisch, sanft und anscheinend beseelt von einer Zärtlichkeit. Jedenfalls wirken seine langen, sphärischen und spaceigen Soli auf mich so, als würde er mit der Gitarre verschmelzen, als würde er die Schwingungen der Saiten förmlich atmen, was nur funktionieren kann, wenn man zutiefst liebt was man tut.
An dem Debütalbum bemängelte ich fehlende Spannungen und Kontraste. Dies könnte ich hier wiederholen, aber ich unterlasse es. Einfach deshalb, weil ich mich inzwischen damit abgefunden habe, dass in solcher Entspannungsmusik die von mir gewünschten starken Kontrastierungen quasi per definitionem fehlen müssen. Rosman hat mich also schonend, bei niedriger Temperatur, weichgekocht. Der innere Widerstand in mir schmolz also dahin.
Man sollte, bevor man sich solche Musik anhört, einfach wissen worauf man sich einlässt. Die Musik von SLEEPING PANDORA ist keine Alltagsmusik, keine beliebige Massenware für den schnellen Zwischendurchkonsum. Die Musik ist der genaue Gegenentwurf, sie ist ein Plädoyer für Ruhe und Gelassenheit, einfach mal stehen bleiben - und zwar ohne den ganzen esoterischen Quatsch oder Achtsamkeitswahn, der momentan grassiert. Unterm Strich ist „From Above“ eine instrumentale Reise, ruhig und reibungslos, zu fernen Galaxien oder zu sich selbst.
2018 | Space Rock
CD, Digital | Eigenproduktion
1. Shine
2. Überschall
3. Danube Wave
4. Cascades
5. Going Black
6. Space Lane
7. White Sea Cruise (Nicht auf CD)
8. Beach
Erst vor wenigen Monaten forderte mich Mathias Rosmann mit dem Debütalbum seines Soloprojekts SLEEPING PANDORA heraus, und nun gibt es bereits Nachschub, in der Form des Nachfolgers „From Above“. Rosmann knüpft nahtlos ans Debütalbum an und zelebriert erneut eine epische Reise durch spaceig arrangierte Instrumentalgefilde.
Die Lieder sind lang. Zwischen neun und zwölf Minuten, was bei den acht Titeln der digitalen Distribution zu einer Spielzeit von rund 90 Minuten führt. Viel Zeit also, um sich den eigenen Gedanken zu widmen, um den Blick über den Horizont schweifen zu lassen, um zu entspannen und abzuschalten. Etwas anderes kann man beim Hören von „From Above“ gar nicht tun. Etwas anderes als Entspannung lassen die sphärischen, harmonischen und bedächtigen Darbietungen von Rosmann gar nicht zu.
Im Zentrum der meditativen Arrangements steht das virtuose Gitarrenspiel. Sein Spiel ist, wie schon zuvor auf „Quiet Pass“, vielfältig und lebendig, gleichzeitig aber stets harmonisch, sanft und anscheinend beseelt von einer Zärtlichkeit. Jedenfalls wirken seine langen, sphärischen und spaceigen Soli auf mich so, als würde er mit der Gitarre verschmelzen, als würde er die Schwingungen der Saiten förmlich atmen, was nur funktionieren kann, wenn man zutiefst liebt was man tut.
An dem Debütalbum bemängelte ich fehlende Spannungen und Kontraste. Dies könnte ich hier wiederholen, aber ich unterlasse es. Einfach deshalb, weil ich mich inzwischen damit abgefunden habe, dass in solcher Entspannungsmusik die von mir gewünschten starken Kontrastierungen quasi per definitionem fehlen müssen. Rosman hat mich also schonend, bei niedriger Temperatur, weichgekocht. Der innere Widerstand in mir schmolz also dahin.
Man sollte, bevor man sich solche Musik anhört, einfach wissen worauf man sich einlässt. Die Musik von SLEEPING PANDORA ist keine Alltagsmusik, keine beliebige Massenware für den schnellen Zwischendurchkonsum. Die Musik ist der genaue Gegenentwurf, sie ist ein Plädoyer für Ruhe und Gelassenheit, einfach mal stehen bleiben - und zwar ohne den ganzen esoterischen Quatsch oder Achtsamkeitswahn, der momentan grassiert. Unterm Strich ist „From Above“ eine instrumentale Reise, ruhig und reibungslos, zu fernen Galaxien oder zu sich selbst.
Donnerstag, 1. März 2018
Lèche Moi - Sortie 13
Lèche
Moi - Sortie 13
2018 | Electropunk, Postunk, Folk
Digital, CD | Atypeek Music, Pied de Biche
1. Lick Me
2. Jennifer (The Birthday Party Cover)
3. Anyway
4. Hôtel Mon Désir
5. Lèche Moi
6. Kiss Me Black
2018 | Electropunk, Postunk, Folk
Digital, CD | Atypeek Music, Pied de Biche
1. Lick Me
2. Jennifer (The Birthday Party Cover)
3. Anyway
4. Hôtel Mon Désir
5. Lèche Moi
6. Kiss Me Black
LÈCHE MOI
ist ein französisches Electro-Post-Punk-Trio, welches unverkrampft
und experimentell zur Sache kommt. Der männliche Part des Duos ist
Daddy Schwartz von SCHLAASSS, der hier wesentlich tragender und
zurückhaltender in Erscheinung tritt. Allerdings verrät seine
Anwesenheit dem Kenner schon vorab, dass es hier nicht undbedingt
gesittet zugeht.
Die EP „Sortie 13“ präsentiert sich in einem relativ uneinheitlichen Erscheinungsbild. Die fünf Eigenkompositionen sowie „Jennifer“ von THE BIRTHDAY PARTY wurden stilistisch zum Teil sehr unterschiedlich gestaltet. Jedoch haben alle Stücke eine dunkle Atmosphäre gemeinsam, die stets durch skurrile und obskure Fragmente genährt wird.
Die Rockmusik steht klar im Hintergrund. Die EP beginnt mit „Lick Me“ zwar noch verhältnismäßig Rockig, was einzig der Gitarre geschuldet ist, die im Zusammenspiel mit Elektrobeat und dualem Gesang eine Achtzigerjahre-Stimmung aufbau. Hierauf folgt mein absolutes Lieblingsstück. Bei dem Titel handelt es sich um eine Coverversion des Liedes „Jennifer’s Veil“, welches 1983 von THE BIRTHDAY PARTY veröffentlicht wurde. LÈCHE MOI interpretierten das Lied sehr frei und machten aus der Post-Punk-Wave-Nummer ein schweres, melancholisches Drone-Neofolk-Stück. Jedenfalls erinnern mich einige Parts des langen Liedes an die Musik von Andrea Haugen. Stimmlich sind Ähnlichkeiten zu erkennen, aber auch das von LÈCHE MOI benutzte Banjo erinnert an Harfenklänge, die bei Haugen auch vielfach zu hören waren. Es ist aber wichtig woran mich „Jennifer“ erinnert, viel relevanter ist, was das Lied mit mir macht. Es berührt mich, weil es düster und schwer, drückend und langanhaltend monoton ist. Das hat was, und solche Arrangements mochte ich schon immer.
Nach dem Livestück „Anyway“ folgen drei Stücke dunklen Electropunks, wo sich Darkwave und Post-Punk mitunter lärmend verbinden. Hier wird die Handschrift von Daddy Schwartz (musikalisch und stimmlich) recht deutlich. „Hôtel Mon Désir“ ist schleppend, beklemmend, monoton und rituell während es in „Lèche Moi“ frivol (bezugnehmend auf den Bandnamen) wird. Mit dem letzten Lied „Kiss Me Black“ geht es dann drückend und erneut monoton zu Ende, wobei das Lied aber etwas rhythmischer ausfällt.
In seiner Gesamtheit ist „Sortie 13“ skurrile elektronische Musik, dunkel und bizarr. Das wird nicht jedem gefallen, aber ich mag es. Die EP wird bei mir zwar nicht in Endlosschleife laufen, aber mir sagt die unkonventionelle und anarchische Haltung sowie das Dunkle und Experimentelle zu. Am besten: Einfach mal Probe hören.
Die EP „Sortie 13“ präsentiert sich in einem relativ uneinheitlichen Erscheinungsbild. Die fünf Eigenkompositionen sowie „Jennifer“ von THE BIRTHDAY PARTY wurden stilistisch zum Teil sehr unterschiedlich gestaltet. Jedoch haben alle Stücke eine dunkle Atmosphäre gemeinsam, die stets durch skurrile und obskure Fragmente genährt wird.
Die Rockmusik steht klar im Hintergrund. Die EP beginnt mit „Lick Me“ zwar noch verhältnismäßig Rockig, was einzig der Gitarre geschuldet ist, die im Zusammenspiel mit Elektrobeat und dualem Gesang eine Achtzigerjahre-Stimmung aufbau. Hierauf folgt mein absolutes Lieblingsstück. Bei dem Titel handelt es sich um eine Coverversion des Liedes „Jennifer’s Veil“, welches 1983 von THE BIRTHDAY PARTY veröffentlicht wurde. LÈCHE MOI interpretierten das Lied sehr frei und machten aus der Post-Punk-Wave-Nummer ein schweres, melancholisches Drone-Neofolk-Stück. Jedenfalls erinnern mich einige Parts des langen Liedes an die Musik von Andrea Haugen. Stimmlich sind Ähnlichkeiten zu erkennen, aber auch das von LÈCHE MOI benutzte Banjo erinnert an Harfenklänge, die bei Haugen auch vielfach zu hören waren. Es ist aber wichtig woran mich „Jennifer“ erinnert, viel relevanter ist, was das Lied mit mir macht. Es berührt mich, weil es düster und schwer, drückend und langanhaltend monoton ist. Das hat was, und solche Arrangements mochte ich schon immer.
Nach dem Livestück „Anyway“ folgen drei Stücke dunklen Electropunks, wo sich Darkwave und Post-Punk mitunter lärmend verbinden. Hier wird die Handschrift von Daddy Schwartz (musikalisch und stimmlich) recht deutlich. „Hôtel Mon Désir“ ist schleppend, beklemmend, monoton und rituell während es in „Lèche Moi“ frivol (bezugnehmend auf den Bandnamen) wird. Mit dem letzten Lied „Kiss Me Black“ geht es dann drückend und erneut monoton zu Ende, wobei das Lied aber etwas rhythmischer ausfällt.
In seiner Gesamtheit ist „Sortie 13“ skurrile elektronische Musik, dunkel und bizarr. Das wird nicht jedem gefallen, aber ich mag es. Die EP wird bei mir zwar nicht in Endlosschleife laufen, aber mir sagt die unkonventionelle und anarchische Haltung sowie das Dunkle und Experimentelle zu. Am besten: Einfach mal Probe hören.
Dienstag, 27. Februar 2018
Phantom Winter - Into Dark Science
Phantom
Winter - Into Dark Science
2018 | Sludge, Black Metal
Vinyl, CD, Digital | Golden Antenna Records
1. The Initiation Of Darkness
2. Ripping Halos From Angels
3. Frostcoven
4. The Craft And The Power Of Black Magic Wielding
5. Into Dark Science
6. Godspeed! Voyager
2018 | Sludge, Black Metal
Vinyl, CD, Digital | Golden Antenna Records
1. The Initiation Of Darkness
2. Ripping Halos From Angels
3. Frostcoven
4. The Craft And The Power Of Black Magic Wielding
5. Into Dark Science
6. Godspeed! Voyager
Mit ihrem
dritten Album „Into Dark Science“ treiben es PHANTOM WINTER auf
die Spitze. Es ist ein schwer verdauliches Werk geworden, welches die
bekannten bandtypischen Vorzüge und Elemente mit einer bisher
ungekannten rigorosen Härte verbindet.
Andreas Schmittfull, Kopf der Formation, sagte zum neuen Album: „Es ist eine Reise durch die dunklen Welten der beiden Schriftstellerinnen Sylvia Plath und Mary Shelley. „Into Dark Science“ ist ein Weg meine inneren Dämonen zu akzeptieren und zu bündeln und daraus etwas Produktives und Positives entstehen zu lassen“.
Das neue Album ist nicht nur musikalisch ein eindringliches Werk, es hat auch literarische Qualitäten und Botschaften die etwas sagen wollen, die das Denken anregen sollen. Jeder Liedtext im Booklet endet mit dem Zitat eines bekannten Schriftstellers, darunter Oscar Wilde und Heinrich Heine.
Das Leben der Sylvia Plath ist tragisch und endete mit ihrem Selbstmord im zarten Alter von dreißig Jahren. Mary Shelley hingegen war bereits zu ihren Lebzeiten im 19. Jahrhundert eine bekannte Autorin, deren Wirken bis heute nachwirkt, sie gilt als Erfinderin von Frankenstein.
Reichlich Stoff, mit dem man wohl mehrere Alben konzeptionell füllen könnte. Für die verstörenden Klangwelten auf „Into Dark Science“ ist dieser gedankliche Hintergrund ein idealer Nährboden. Noch nie waren PHANTOM WINTER so zerstörerisch, beklemmend, finster und aggressiv. Es ist ein spannungsgeladenes und kontrastreiches Album, das den einen und anderen Hörer vielleicht verschrecken könnte.
Nun waren die beiden Vorgänger auch kein Zuckerschlecken, aber die Dimension die PHANTOM WINTER mit „Into Dark Science“ erreichen, stellt einer neue Qualität ihres Winter Dooms dar. Von der ersten bis zur letzten Sekunde verströmt das Album eine absolute, schonungslose Negativität, die zu überbieten ich kaum imstande bin mir vorzustellen. Es sind ja nicht nur die schnellen und harschen Black-Metal-Parts und der überaus heftige Kreischgesang - selbst norwegische Veteranen hätten es nicht besser und authentischer machen können - die für Härte und Aggression sorgen, auch die zahlreichen lärmenden Parts mit ihren Disharmonien oder die schweren Riffs während der schleppenden Doomdarbietungen zementieren eine hochgradig dunkle, schwere und hoffnungslose Atmosphäre.
Das alles gab es zwar auch schon in der einen und anderen Form auf „Cvlt“ sowie „Sundown Pleasures“ zu hören, jedoch nicht in so einer kompromisslosen und verdichteten Massivität. PHANTOM WINTER sind sich treu geblieben, einerseits, doch sie gingen weiter und verfeinerten ihre klanglichen Vorstellungen, andererseits. Mir gefällt das verdammt gut, allerdings würde es mich nicht wundern, wenn hier jemand Kopfschmerzen und Albträume bekommen würde. Denn so finster und negativ „Into Dark Science“ auch sein mag, so fordernd und anstrengend ist es auch. Wie gesagt: Keine leichte Kost. Aber das wollte ja wohl auch niemand.
Andreas Schmittfull, Kopf der Formation, sagte zum neuen Album: „Es ist eine Reise durch die dunklen Welten der beiden Schriftstellerinnen Sylvia Plath und Mary Shelley. „Into Dark Science“ ist ein Weg meine inneren Dämonen zu akzeptieren und zu bündeln und daraus etwas Produktives und Positives entstehen zu lassen“.
Das neue Album ist nicht nur musikalisch ein eindringliches Werk, es hat auch literarische Qualitäten und Botschaften die etwas sagen wollen, die das Denken anregen sollen. Jeder Liedtext im Booklet endet mit dem Zitat eines bekannten Schriftstellers, darunter Oscar Wilde und Heinrich Heine.
Das Leben der Sylvia Plath ist tragisch und endete mit ihrem Selbstmord im zarten Alter von dreißig Jahren. Mary Shelley hingegen war bereits zu ihren Lebzeiten im 19. Jahrhundert eine bekannte Autorin, deren Wirken bis heute nachwirkt, sie gilt als Erfinderin von Frankenstein.
Reichlich Stoff, mit dem man wohl mehrere Alben konzeptionell füllen könnte. Für die verstörenden Klangwelten auf „Into Dark Science“ ist dieser gedankliche Hintergrund ein idealer Nährboden. Noch nie waren PHANTOM WINTER so zerstörerisch, beklemmend, finster und aggressiv. Es ist ein spannungsgeladenes und kontrastreiches Album, das den einen und anderen Hörer vielleicht verschrecken könnte.
Nun waren die beiden Vorgänger auch kein Zuckerschlecken, aber die Dimension die PHANTOM WINTER mit „Into Dark Science“ erreichen, stellt einer neue Qualität ihres Winter Dooms dar. Von der ersten bis zur letzten Sekunde verströmt das Album eine absolute, schonungslose Negativität, die zu überbieten ich kaum imstande bin mir vorzustellen. Es sind ja nicht nur die schnellen und harschen Black-Metal-Parts und der überaus heftige Kreischgesang - selbst norwegische Veteranen hätten es nicht besser und authentischer machen können - die für Härte und Aggression sorgen, auch die zahlreichen lärmenden Parts mit ihren Disharmonien oder die schweren Riffs während der schleppenden Doomdarbietungen zementieren eine hochgradig dunkle, schwere und hoffnungslose Atmosphäre.
Das alles gab es zwar auch schon in der einen und anderen Form auf „Cvlt“ sowie „Sundown Pleasures“ zu hören, jedoch nicht in so einer kompromisslosen und verdichteten Massivität. PHANTOM WINTER sind sich treu geblieben, einerseits, doch sie gingen weiter und verfeinerten ihre klanglichen Vorstellungen, andererseits. Mir gefällt das verdammt gut, allerdings würde es mich nicht wundern, wenn hier jemand Kopfschmerzen und Albträume bekommen würde. Denn so finster und negativ „Into Dark Science“ auch sein mag, so fordernd und anstrengend ist es auch. Wie gesagt: Keine leichte Kost. Aber das wollte ja wohl auch niemand.
Dienstag, 23. Januar 2018
Hail - Inheritance Of Evilness
1.
Let The Wolves Lead You To Satan's Glory
2. The War Must Go On
3. Earth 's Historical Might Inheritance Prophecy
4. Unholy Funeral (Varathron Cover)
5. Black Death Metal Warrior
6. Barbaryan (Finland)
2. The War Must Go On
3. Earth 's Historical Might Inheritance Prophecy
4. Unholy Funeral (Varathron Cover)
5. Black Death Metal Warrior
6. Barbaryan (Finland)
Ich
weiß gar nicht mehr wie und wann ich mit HAIL in Berührung kam. Ich
weiß jedoch sehr genau, dass mich „Inheritance Of Evilness“
seinerzeit total umhaute. Die Scheibe beeindruckte mich nachhaltig
und ich war lange auf der Suche nach dem Doppel-Vinyl, welches
gegenüber der 2003 über Barbarian Wrath veröffentlichten
Originalveröffentlichung auf CD zwei Bonuslieder enthält. Diese
sind mittlerweile gesondert als CD-EP erschienen, aber das ist eine
andere leidliche Geschichte. An dieser Stelle soll es allein um das
Juwel „Inheritance Of Evilness“ gehen, welches im vergangenen
Jahr auf CD wiederveröffentlicht wurde.
HAIL wurde als Soloprojekt von dem Finnen Dirtmaster betrieben und „Inheritance Of Evilness“ ist das einzige Album. Er spielt dort eine wunderbare Mischung aus Black und Death Metal, die teilweise auch etwas Doomiges, allerdings in homöopathischer Dosis, enthält. Von Barbarian Wrath wurde das Album damals als Verschmelzung von BEHERIT und VARATHRON beworben. Das kann man machen, ist aber eine Untertreibung und wird dem Werk nicht vollumfänglich gerecht.
Für mich ist „Inheritance Of Evilness“ ein unerhört unterschätztes Album, weil es für mich die Essenz dessen enthält, was ich am Black Metal liebe. Dirtmaster verbindet in seiner Musik ungeschliffen und ungeschönt bestialischen Metal mit Melodik und differenziertem Spiel. „Black Metal of Death“ möchte ich dazu nur sagen. Die Arrangements sind einerseits roh, mitunter primitiv aber gleichzeitig auch verdammt vielfältig und akzentuiert. Sowohl an den Gitarren als auch am Schlagzeug vermochte Dirtmaster wahre Wundertaten zu vollbringen. Jedenfalls liebe ich seine Melodien, und auch das Spiel am Schlagzeug tritt immer wieder sehr detailliert und vielfältig in Erscheinung.
In den fünf Eigenkompositionen ist eine wahre Spielfreude zu hören und erleben, die gleichzeitig immer auch grimmig, barbarisch und lärmend ist. Sein facettenreicher Gesang, der kehlig, tief, gurgelnd aber auch keifend und schreiend Groll und Abscheu verkündet, verbündet sich mit den zischenden Becken und grollenden Trommeln zu einer unheilvollen Allianz, die von den markanten und grellen Gitarren befeuert wird. Manch eine Melodie wirkt unvollkommen, so als wäre sie etwas zu schnell und eine halbe Note zu hoch oder tief gespielt worden, was ich großartig finde. Nicht minder großartig werte ich seine schroffen und primitiven Geschwindigkeitsausbrüche. Dann hämmert und prügelt er dermaßen auf das Schlagzeug ein
HAIL wurde als Soloprojekt von dem Finnen Dirtmaster betrieben und „Inheritance Of Evilness“ ist das einzige Album. Er spielt dort eine wunderbare Mischung aus Black und Death Metal, die teilweise auch etwas Doomiges, allerdings in homöopathischer Dosis, enthält. Von Barbarian Wrath wurde das Album damals als Verschmelzung von BEHERIT und VARATHRON beworben. Das kann man machen, ist aber eine Untertreibung und wird dem Werk nicht vollumfänglich gerecht.
Für mich ist „Inheritance Of Evilness“ ein unerhört unterschätztes Album, weil es für mich die Essenz dessen enthält, was ich am Black Metal liebe. Dirtmaster verbindet in seiner Musik ungeschliffen und ungeschönt bestialischen Metal mit Melodik und differenziertem Spiel. „Black Metal of Death“ möchte ich dazu nur sagen. Die Arrangements sind einerseits roh, mitunter primitiv aber gleichzeitig auch verdammt vielfältig und akzentuiert. Sowohl an den Gitarren als auch am Schlagzeug vermochte Dirtmaster wahre Wundertaten zu vollbringen. Jedenfalls liebe ich seine Melodien, und auch das Spiel am Schlagzeug tritt immer wieder sehr detailliert und vielfältig in Erscheinung.
In den fünf Eigenkompositionen ist eine wahre Spielfreude zu hören und erleben, die gleichzeitig immer auch grimmig, barbarisch und lärmend ist. Sein facettenreicher Gesang, der kehlig, tief, gurgelnd aber auch keifend und schreiend Groll und Abscheu verkündet, verbündet sich mit den zischenden Becken und grollenden Trommeln zu einer unheilvollen Allianz, die von den markanten und grellen Gitarren befeuert wird. Manch eine Melodie wirkt unvollkommen, so als wäre sie etwas zu schnell und eine halbe Note zu hoch oder tief gespielt worden, was ich großartig finde. Nicht minder großartig werte ich seine schroffen und primitiven Geschwindigkeitsausbrüche. Dann hämmert und prügelt er dermaßen auf das Schlagzeug ein
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