Dienstag, 27. Februar 2018

Phantom Winter - Into Dark Science

Phantom Winter - Into Dark Science
Phantom Winter - Into Dark Science
2018 | Sludge, Black Metal
Vinyl, CD, Digital | Golden Antenna Records

1. The Initiation Of Darkness
2. Ripping Halos From Angels
3. Frostcoven
4. The Craft And The Power Of Black Magic Wielding
5. Into Dark Science
6. Godspeed! Voyager




Mit ihrem dritten Album „Into Dark Science“ treiben es PHANTOM WINTER auf die Spitze. Es ist ein schwer verdauliches Werk geworden, welches die bekannten bandtypischen Vorzüge und Elemente mit einer bisher ungekannten rigorosen Härte verbindet.

Andreas Schmittfull, Kopf der Formation, sagte zum neuen Album: „Es ist eine Reise durch die dunklen Welten der beiden Schriftstellerinnen Sylvia Plath und Mary Shelley. „Into Dark Science“ ist ein Weg meine inneren Dämonen zu akzeptieren und zu bündeln und daraus etwas Produktives und Positives entstehen zu lassen“.

Das neue Album ist nicht nur musikalisch ein eindringliches Werk, es hat auch literarische Qualitäten und Botschaften die etwas sagen wollen, die das Denken anregen sollen. Jeder Liedtext im Booklet endet mit dem Zitat eines bekannten Schriftstellers, darunter Oscar Wilde und Heinrich Heine.

Das Leben der Sylvia Plath ist tragisch und endete mit ihrem Selbstmord im zarten Alter von dreißig Jahren. Mary Shelley hingegen war bereits zu ihren Lebzeiten im 19. Jahrhundert eine bekannte Autorin, deren Wirken bis heute nachwirkt, sie gilt als Erfinderin von Frankenstein.

Reichlich Stoff, mit dem man wohl mehrere Alben konzeptionell füllen könnte. Für die verstörenden Klangwelten auf „Into Dark Science“ ist dieser gedankliche Hintergrund ein idealer Nährboden. Noch nie waren PHANTOM WINTER so zerstörerisch, beklemmend, finster und aggressiv. Es ist ein spannungsgeladenes und kontrastreiches Album, das den einen und anderen Hörer vielleicht verschrecken könnte.

Nun waren die beiden Vorgänger auch kein Zuckerschlecken, aber die Dimension die PHANTOM WINTER mit „Into Dark Science“ erreichen, stellt einer neue Qualität ihres Winter Dooms dar. Von der ersten bis zur letzten Sekunde verströmt das Album eine absolute, schonungslose Negativität, die zu überbieten ich kaum imstande bin mir vorzustellen. Es sind ja nicht nur die schnellen und harschen Black-Metal-Parts und der überaus heftige Kreischgesang - selbst norwegische Veteranen hätten es nicht besser und authentischer machen können - die für Härte und Aggression sorgen, auch die zahlreichen lärmenden Parts mit ihren Disharmonien oder die schweren Riffs während der schleppenden Doomdarbietungen zementieren eine hochgradig dunkle, schwere und hoffnungslose Atmosphäre.

Das alles gab es zwar auch schon in der einen und anderen Form auf „Cvlt“ sowie „Sundown Pleasures“ zu hören, jedoch nicht in so einer kompromisslosen und verdichteten Massivität. PHANTOM WINTER sind sich treu geblieben, einerseits, doch sie gingen weiter und verfeinerten ihre klanglichen Vorstellungen, andererseits. Mir gefällt das verdammt gut, allerdings würde es mich nicht wundern, wenn hier jemand Kopfschmerzen und Albträume bekommen würde. Denn so finster und negativ „Into Dark Science“ auch sein mag, so fordernd und anstrengend ist es auch. Wie gesagt: Keine leichte Kost. Aber das wollte ja wohl auch niemand.