Freitag, 19. März 2021
December Wolves - 'Til Ten Years (1996)
December Wolves - 'Til Ten Years
1996 | Black Metal
CD | Hammerheart Productions
1. Ode To The Master Therion
2. The Night That I Died
3. Our Centuries Have Been Found
4. Lycanthropy: Yonder Through IceStorms
5. 'Til Ten Years
6. ...Whence The Clouds Cry
7. Outro
DECEMBER WOLVES aus Boston veröffentlichten während ihres Bestehens drei Alben. Im Gedächtnis geblieben sind sie, wenn überhaupt, aber mit den Alben #2 und #3 und nicht dem mir so wichtigen 1996er Debüt „'Til Ten Years“. Es lag wohl am radikalen Stilwechsel, den sie nach ihrem ersten Album vollzogen.
Schon damals war das Album irgendwie eine relativ kuriose Angelegenheit. Schließlich waren DECEMBER WOLVES eine US-amerikanische Band die skandinavisch beeinflussten Black Metal spielte und über einem Südkoreanischen Label veröffentlichte. Und das im Pre-Internet-Zeitalter. Damals gab es noch keine Webshops, keine Downloadportale oder Google als Suchmaschine. Es war noch die Zeit der Printmagazine, Kaufcompilations und Mundpropaganda.
Wie ich DECEMBER WOLVES seinerzeit entdeckte weiß ich leider nicht mehr. Allerdings weiß ich noch, wie beeindruckt ich war und welche Probleme ich 1998 hatte den Nachfolger „Completely Dehumanized“ zu bekommen. Wie gesagt, das Internet war gerade erst dabei sich zu entwickeln. Also suchte ich nach einer Emailadresse der Band und schrieb sie an, mit dem Wunsch das neue Album kaufen zu wollen, weil ich in Deutschland nirgends fündig wurde. Es kam eine recht knappe und nicht gerade freundliche Antwort mit dem Verweis zum Label. Das Label war in England ansässig und da es noch keine Webshops oder ähnliches gab und mir die Band keine CD schicken wollte oder konnte, habe ich das Teil nie bekommen. Irgendwann habe ich es mir dann halt runtergeladen.
Aber nun zum eigentlichen Thema. „'Til Ten Years“ war und ist ein viel zu wenig beachtetes Juwel einer damals noch sehr jungen (den Bildern im Booklet nach zu urteilen) Band. Das Album beinhaltete alles was der Black Metal für mich ausmachte. Es war melodisch und abwechslungsreich aber gleichzeitig auch fordernd und hart. Die durchschnittliche Liedlänge liegt zwischen sieben und acht Minuten. Nicht gerade kurz. Doch DECEMBER WOLVES wussten sich in Szene zu setzen und verschwendeten keine einzige Sekunde. Das Album enthält keine öden Längen, keine überflüssigen Ein- oder Überleitungen oder Lückenfüller. Alles hat Hand und Fuß. Alles ist bis ins kleinste Detail stimmig.
Dies machten sie bereits mit dem Opener „Ode To Master Therion“ deutlich, der ohne Intro auskommt. Man kommt schnell zur Sache und das Lied entwickelt sich rasch zu einer flotten, vielschichtigen Nummer in der hohe Tempi, Rhythmuswechsel, Keyboards, Härte, nordische Kälte und Grimmigkeit für eine spannungsreiche und dichte Atmosphäre sorgen.
Die langen Lieder wurden sehr facettenreich arrangiert, plumpes schablonenhaftes Aneinanderketten sich wiederholender Bausteine gibt es nicht, was für solch eine junge Band auf ihrem Erstling wahrlich bemerkenswert ist.
Gitarren, Schlagzeug und Gesang wurden extrem vielseitig komponiert und vorgetragen. Ständig wechseln sich melodische Gitarrenläufe, grimmige Kälte, Groll, variable Tempi und differenzierte Kreischgesänge miteinander ab, verschmelzen sich oder erschaffen Neues. Die Arrangements beinhalten zahlreiche aufbrechende Parts, in denen Akustikgitarren oder Keys aufflimmern. Akustikgitarre oder Keyboard wurden allerdings überaus bewusst und dezent verwendet, was ihren ureigentlichen Charakter außerordentlich unterstreicht.
Mitunter geht es sehr melodisch zu, andererseits schwingt unterschwellig stets Bedingungslosigkeit und Brachialgewalt mit. Filigrane Vielschichtigkeit verschmilzt mit epischer Melodik zu einem Monolithen klanggewordener Wut. Es gibt im Metal nicht viele Alben, auf denen Melodik und Härte so gut miteinander harmonieren.
Für mich ist „'Til Ten Years“ ein extrem wichtiges und viel zu unbekanntes Album. Diese Debüt steht skandinavischer Szenegrößen und Altstars in nichts nach. Die CD gibt es beispielsweise gebraucht über Discogs zu kaufen, allerdings liegen die Preise aktuell zwischen 15 und 30 Euro. Für eine gebrauchte CD nicht wenig.
Freitag, 19. Februar 2021
Horizon's Opening - ...To Face The Eternal Night
Horizon‘s
Opening - ...To Face The Eternal Night
1999 | Black
Metal
Kassette | Eigenproduktion
A1. Ode an das
Grauen
A2. Envite
min muot
B1. Mein einst gesehenes Land
B2. ...To Face The
Eternal Night
Es ist kaum zu glauben, aber eines meiner ewigen Black-Metal-Favoriten habe ich zufällig über die einst, in sogenannten und selbsternannten elitären Untergrundkreisen, überaus verhasste Plattform Ebay gefunden. Irgendjemand bot dort die mir unbekannte Demokassette „...To Face The Eternal Night“ von HORIZON‘S OPENING für kleines Geld an. Ich weiß nicht mehr wie das Tape beschrieben wurde, oder wonach ich suchte. Es war purer Zufall.
Selten, vielleicht sogar nie, hat mich einen Kauf so nachhaltig geprägt und begleitet. „...To Face The Eternal Night“ ist für mich der perfekte Black Metal. Die Demokassette verkörpert und vereint alles was ich an dieser Musik und diesem Lebensgefühl je liebte und schätzte.
Die Demokassette hat einen, einer kleinen eigenständigen Demoproduktion überaus angemessenen Klang. Jede Note, jeder Saitenanschlag, jedes Trommelgeräusch und jeder Hauch ins Mikro versprüht für mich für all das, was ich mir jemals wagte von Black Metal zu erhoffen. HORIZON‘S OPENING waren Söhne ihrer Zeit, veröffentlichten 1995 ihre erste Demo „Im Angesichte der Ewigkeit“ und 1999 die zweite und letzte Demo „...To Face The Eternal Night“. Ihr Black Metal steht ganz im Geiste des Black Metals der 90iger.
Die Kassette tönt etwas rauschend aber eben analog und organisch. Ich liebe es, wie Gesang, Saiten und Schlagzeug scheppern, tosen und beben. Die vier Lieder des Tapes klingen in jeder Sekunde nach absoluter und bedingungsloser Hingabe, Ehrlichkeit und Authentizität.
HORIZON‘S OPENING spielten stark melodisch gelagerten Black Metal, der trotz harmoniebedachter Gitarrenläufe rau, schroff und harsch ist. Die Tempi schreiten weitgehend schleppend bis mittelschnell voran, wobei es aber auch hier und da rasende Einschübe gibt. HORIZON‘S OPENING verstanden es perfekt düster, grimmig und hochgradig eindringlich und gleichzeitig hart und brachial zu klingen. Ob aller Melodik und atmosphärischer Elemente ist „...To Face The Eternal Night“ energisch, unerbittlich und streng. Es ist eben unverkennbar Black Metal der 90iger.
Bis heute ist diese Demo einer meiner heiligsten Schätze. Und auch heute noch vermag mir die Musik beim Hören einen wohligen Gänsehautschauer zu bereiten, so sehr berührt sie mich.
Samstag, 2. Mai 2020
Vulpecula - Fons Immortalis
1997 | Death Black Metal, Ambient
CD, Vinyl | Merciless Records
2. Fons Immortalis
3. Down Among Them
4. Phoenix Of The Creation
5. The First Point Of Aries
6. Seven Layers Of Light
Bereut habe ich den Blindkauf nie. Im Gegenteil: VULPECULA, insbesondere die zwei ersten EPs, sind für mich bis heute eine Ausnahmeband, an der ich mich nicht satt hören kann. Es stimmt für mich einfach alles. Der Klang, die Rhythmen, die Melodien, die Stimmungen und Atmosphäre, der Gesang, es ist für meine Ansprüche und Bedürfnisse alles perfekt!
Gegründet wurde VULPECULA unter anderem vom Gitarristen Chuck Keller, der mit seinen anderen beiden Hauptbands ORDER FROM CHAOS und ARES KINGDOM eine große Anhängerschaft aufbauen konnte. Ein annähernd ähnlicher Erfolg war VULPECULA hingegen nie beschieden. Die Band veröffentlichte auch nur drei EPs, von der die letzte auch noch posthum sieben Jahre nach Bandauflösung erschien.
„Fons Immortalis“ ist für mich die beste und rundeste Veröffentlichung. Es ist eine leicht angeraute und stets düstere Mischung aus schleppendem Death und Black Metal, der durch einen erdig-kehligen Gesang sowie melodische, teils episch-sphärische Riffs getragen wird und sich thematisch mit dem Universum befasst. Am Anfang und in der Mitte der EP gibt es ein- bzw. überleitende Ambientpassagen, welche mir ausnahmsweise schon 1997 außerordentlich gefielen.
Das Zusammenspiel von schepperndem, peitschendem und polterndem Schlagzeug mit Gesang und den erstklassigen und unverwechselbaren Keller-Riffs kreieren einen gänzlich einzigartigen Klang. Ich liebe das ausgiebige Beckenspiel, es zischt und scheppert herrlich und setzt einen knackigen Kontrast zum tief dröhnenden Saitenspiel und kehligen Gesang. „Fons Immortalis“ ist roh, schroff, harsch aber gleichzeitig auch stets melodisch und atmosphärisch. Ich habe nur äußert selten eine so perfekte Balance zwischen Härte, Hässlichkeit und Gefühl und Melodik gehört.
„Fons Immortalis“ ist auch nach dreiundzwanzig Jahren eine unbeschreiblich grandiose Scheibe, die ich jedem ans Herz legen möchte der düstere Melodik und eine schwere und raue Atmosphäre zu schätzen weiß. Günstig an das Teil ranzukommen ist nicht einfach, bei Discogs geht es gerade erst bei rund 15 Euro los.
Freitag, 17. August 2018
Marla & David Celia – Daydreamers
2018 | Singer Songwriter, Folk
Vinyl, CD, Digital | eliterecords
„Daydreamers“ ist das erste gemeinsame Studioalbum von Marla & David Celia, die sich auf einem Konzert in Marlas Heimatstadt Heidelberg kennenlernten. Die Zusammenkunft ist einem Zufall oder unglücklichem Umstand geschuldet, seitdem sind beide unzertrennlich. Sie spielten gemeinsam zahllose Konzerte in Europa, Kanada und Russland, er produzierte ihr Album „Madawaska Valley“. Schließlich entstand das gemeinsame Debütalbum in einem Vorort von Toronto und in der transsibirischen Eisenbahn während einer ausgedehnten Russlandtournee.
Die elf Lieder kann man als eine Art musikalisches Reisetagebuch verstehen. Sie sind der ideale Soundtrack eines Roadmovie. Die Arrangements sind komplett unaufgeregt und erinnern mich mit ihrer zarten Melodik und zerbrechlichen Intimität an Lagerfeuerromantik. Einfach die Akustikgitarre auspacken und mitsingen.
Marla & David Celia legen mit „Daydreamers“ ein Album hin, welches im digitalen Leistungszeitalter wie ein Anachronismus wirkt. Jedenfalls wirken die Arrangements auf mich, die sich irgendwo zwischen Folk, Americana, Country und Singer Songwriter hin und her bewegen, entschleunigend und wie ein Balsam auf meine vom Alltag geschundene Seele.
Obwohl die Zwei mit ihrer Musik nicht wirklich meinen musikalischen Geschmack treffen, kann ich nichts Kritikwürdiges in ihr finden. Marla & David Celia spielen absolut liebenswürdige Musik, der man sich eigentlich nur als tauber Totalverweigerer entziehen kann. Marla & David Celia sind authentisch, sie können beide Singen, haben zauberhafte Stimmen und sind ebenso gute Gitarrenspieler.
Freitag, 18. Mai 2018
Tusmørke - Fjernsyn I Farver
2018 | Progressive Folk Rock
Vinyl, CD, Digital | Karisma Records
1. Fjernsyn I Farver
2. Kniven I Kurven
3. Borgerlig Tussmørke
4. 3001
5. Death Czar
6. Tøyens Hemmelighet
Ich muss gestehen, dass ich die Besprechung von „Fjernsyn I Farver“ von TUSMØRKE auf die lange Bank schob als ich las, dass es sich hierbei um Progressive Folk Rock handeln würde. Prog Rock für sich allein ist für mich bereits immer sehr schwierig und Folk Rock war für mich viele Jahre lang ein rotes Tuch. Jetzt kommt beides zusammen, wie schrecklich, so mein Gedanke, was für ein Graus. Als ich mir „Fjernsyn I Farver“ dann das erste Mal anhörte, wurde ich jedoch überrascht.
„Fjernsyn I Farver“, was Farbfernsehen übersetzt heißt, ist das sechste Album und zog mich schon nach wenigen Sekunden in seinen Bann. Das Album beginnt mit dem Titellied, welches mich am Anfang ganz kurz ob seiner Melodik, Rhythmik und norwegischen Sprache ein wenig an den norwegische (Folk) Black Metal erinnert*.
Recht schnell präsentieren TUSMØRKE ihre Qualitäten. Die relativ langen Lieder sind überaus vielfältig, wendungsreich und es ist eine unüberschaubare Anzahl an Instrumenten zu hören. Vor allem die große Zahl an Tasteninstrumenten ist atemberaubend. Es kamen verschiedene Keyboards, Pianos und Orgeln analoger und digitaler Bauweise zum Einsatz. Im Zusammenspiel mit den Flöten und dem Bass entstand eine dynamische und streckenweise sonderbare Musik, die mal mehr Folk Rock, mal mehr Progressive Rock ist.
Besonders gut gefallen mir die folkigen Arrangements, weil TUSMØRKE komplett auf Kitsch und plakative Effekthascherei verzichteten. Stellenweise nehme ich sogar die eine und andere düstere Note, überaus subtil im bunten Treiben versteckt, wahr. Gleichzeitig ist die Musik aber auch mit einer Freude und guten Laune beglückt worden, die mich an einen Zirkus oder Jahrmarkt denken lässt.
Letztlich ist „Fjernsyn I Farver“ überragend, ganz einfach deshalb, weil es TUSMØRKE gelang, mich Kostverächter zu überzeugen. Ich liebe die Melodien, welche hin und wieder eigensinnig sind und fast ins Disharmonische gleiten, die überraschenden Breaks und die grandiose Instrumentierung. Die Musik ist gewiss komplex, aber niemals anstrengend, so wie ich es oft im Prog Rock erleben musste. Das Album macht Spaß und es deckt musikalisch und stimmungstechnisch eine unbeschreiblich breite und gleichermaßen unterhaltsame Palette ab. „Fjernsyn I Farver“ ist laut und energetisch, folkig und progressiv, aber auch leise sowie gefühlvolle Arrangements haben ihren Platz.
* Mit Black Metal hat die Musik von TUSMØRKE natürlich rein gar nichts zu tun, allerdings bin ich mit dem norwegischen Black Metal der Neunziger groß geworden. Viele Bands griffen (und viele tun es noch heute) auf spezielle Melodien und Instrumente des Folk Rocks zurück, was ich eben hier stellenweise wiederfinde und das mich an die Bands von einst erinnert. Aus jener Zeit rührt auch meine Abneigung gegenüber Folk Rock und Folk Metal, weil mir die meisten Bands viel zu übertrieben, plakativ und fröhlich daher kamen.
Mittwoch, 2. Mai 2018
Caudal - Fight Cry Fight
2018 | Instrumental Rock, Drone
Kassette, Digital | Katuktu Collective
1. Intro
2. Well, I Suppose
3. Divisible
4. Slope
5. Flourish
6. Low Red
7. Sunwashed
8. The Blue Meds
9. Duelo
10. Outro (nur auf Kassette)
Aidan Baker – Gitarre
Felipe Salazar – Schlagzeug
Gareth Sweeney – Bass
Mit ihrem neuen Album „Fight Cry Fight“ gelang es den drei Trancepunkern doch glatt, mich zu überraschen. Das neue Album ist kleinteiliger, und damit auch dynamischer geworden. Während CAUDAL bisher auf lange Lieder setzten und eine Veröffentlichung maximal vier Stücke aufwies, kommt „Fight Cry Fight“ mit neun (digital) bzw. zehn (Kassette) Arrangements.
Dienstag, 10. April 2018
Wrekmeister Harmonies - The Alone Rush
13.04.2018 | Doom, Folk, Drone
Vinyl, CD, Digital | Thrill Jockey Records
1. A 300 Year Old Slit Throat
2. Descent Into Blindness
3. Behold! The Final Scream
4. Covered In Blood From Invisible Wounds
5. Forgive Yourself And Let Go
6. The Alone Rush





