Mittwoch, 19. Oktober 2016

Wrekmeister Harmonies - Light Falls

Wrekmeister Harmonies - Light Falls
Wrekmeister Harmonies - Light Falls
2016 | Doom, Folk, Drone
Vinyl / CD / Digital | Thrill Jockey Records


1. Light Falls I - The Mantra
2. Light Falls II - The Light Burns Us All
3. Light Falls III - Light Sick
4. The Gathering
5. Where Have You Been My Lovely Son?
6. Some Were Saves Some Drowned
7. My Lovely Son Reprise

J.R. Robinson - Gitarre, Gesang
Esther Shaw - Piano, Keyboards, Violine, Stimme
Thierry Amar - Bass, Kontrabass
Timothy Herzog – Schlagzeug
Sophie Trudeau - Violine, Gesang, Hammond Orgel B3




Hinter WREKMEISTER HARMONIES stehen J.R. Robinson und Esther Shaw, die den Kern der Klanggemeinschaft aus wechselnden und teils sehr namhaften Musikern darstellen. Fest unterstützt wurden sie diesmal von den drei GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR Musikern Thierry Amar, Timothy Herzog sowie Sophie Trudeau. Darüber sind als Gastmusiker der amerikanische Liedermacher Ryley Walker sowie Cooper Crain von CAVE zu hören.


Auf dem neuen Album „Light Falls“ beschäftigt sich Robinson mit Primo Levi, einem Überlebenden des KZ Auschwitz, der seine Erlebnisse in dem Buch „Ist das ein Mensch?“ niederschrieb. Auf dieses Buch im Allgemeinen und auf das dortige Eröffnungsgedicht im Besonderen, bezieht sich Robinson mit „Light Falls“. Ein schweres Thema, dessen angemessene musikalische Darstellung sicherlich nicht leicht ist.


Am Anfang steht „Light Falls I - The Mantra“, wo Robinson sehr ruhig, fast schon flüsternd, ein paar Verse vorträgt, die von Hammond Orgel, Piano und Violinen begleitet werden. Das Stück ist gemessen an seiner Länge relativ textarm, was sich gerade zum Ende hin zu einer schamanischen, mystischen und beschwörenden Atmosphäre verdichtet. Dies liegt hauptsächlich an den flackernden und kratzenden Violinen, deren Melodien und Töne wie schemenhafte Flüsterstimmen und Klagelaute aus dem Wind klingen. Das Stück ist einerseits zurückhaltend und monoton, andererseits aber auch lebendig und dynamisch. Diese Intensität und tiefgreifende Dramatik wird ins nahtlos nachfolgende „Light Falls II - The Light Burns Us All“ mitgenommen - die Übergänge zwischen den sieben Titeln vollziehen sich stets lautlos.


Im zweiten Lied geht es insgesamt kraftvoller und lauter zu, einfach weil nun auch Gitarren, Bass und Schlagzeug hinzu gekommen sind, und sich die nun im Doom angekommene Musik druckvoller und mächtiger auftürmt. Die musikalische Einordnung von „Light Falls“ ist schwierig zu machen, so vielfältig sind die unterschiedlichen Einflüsse und Elemente. Robinson selbst spricht von „pastoralem Doom“, was durchaus passend ist. Doch auch Ambient, Drone, Folk, Neo Klassik und verschiedenste Schnipsel aus der Rockmusik kann man wahrnehmen. Was sich vielleicht überfrachtet und kompliziert liest, hört sich aber als Endergebnis erstaunlich stimmig und harmonisch an.


Light Falls“ ist insgesamt betrachtet ein ruhiges Album, es ist ein Werk welches angemessen mit dem Erbe und den Erlebnissen von Primo Levi umgeht. WREKMEISTER HARMONIES verzichteten auf Effekthascherei, was unter anderem auch dazu führte, dass sich die Kontraste, Spannungsbögen und Gegensätze eher unauffällig und im Kleinen abspielen. Trotz eines dezidiert gedämpften Auftretens gibt es aber auch packende und energetische Parts. Als vorbildlich möchte ich an dieser Stelle „The Gathering“ nennen. Das Lied fällt durch eine wunderbare Dramatik und Tiefe auf. Die Instrumente formen hier, angeführt von Piano, Violinen und erschütternden Gitarren, eine intensive Spannungskurve, deren Wirkungsmächtigkeit kaum ergreifender sein könnte. Sowohl die grandiose Orchestrierung als auch das Songwriting sind atemberaubend. So sollte schwere Instrumentalmusik klingen!


WREKMEISTER HARMONIES haben mit „Light Falls“ ein grandioses Werk ernsthafter und polymorpher Musik geschaffen. Ruhige Klänge sind nicht gleich ruhige Klänge. Zu keinem Zeitpunkt kommen Langeweile oder Langatmigkeit auf, stattdessen gibt es überraschende Facetten und Variationen von Melancholie. In „Where Have You Been My Lovely Son?“ erinnert mich Robinson mit seiner ruhigen und sonoren Stimme ein wenig an Lieder und Künstler wie „Hurt“ von Johnny Cash oder „Waiting For The Miracle“ von Leonard Cohen.


Light Falls“ ist dunkle Musik, die hervorragend und vielfältig arrangiert wurde und ohne Übertreibungen und Klischees auskommt. Es ist ein Werk voller Ehrfurcht und Tiefgang.


WREKMEISTER HARMONIES sind am 30. November in Berlin im Urban Spree und am 8. Dezember auf dem MS Stubnitz in Hamburg zu sehen und hören.

Donnerstag, 11. Juni 2015

Schlaasss – Slaasssch

Schlaasss – Slaasssch
Schlaasss – Slaasssch
2015 | Rap, Elektro Punk
Digital / CD / Vinyl | Atypeek Music

1. Zéro
2. Selfie
3. La Bagarre
4. Salope
5. Crève
6. Interlude Tapin
7. Pin Pon
8. La Love
9. Paris Satan
10. Kilimandjaro
11. Interlude Minouche
12. I Want To Be With You
13. Onani
14. Interlude Tigidiyayé
15. Hippie
16. Miaou
17. Anvers




Das französische Trio SCHLAASSS existiert seit 2012 und veröffentlichte kürzlich mit „Slaasssch“ sein zweites Album. Die Drei machen eine wilde Mischung aus französischsprachigen Rap und Electropunk. Dies ist nicht gerade mein Spezialgebiet aber dennoch geht von den abgefahrenen Franzosen ein gewisser Reiz aus.



Denn das was SCHLAASSS machen ist mehr als einfach nur Musik. Es wird einerseits viel gerappt, es wechseln sich dabei eine Frau und ein Mann permanent ab und es gibt vielfältige Beats, die das unbeschreiblich breite Spektrum der elektronischen Musik abdecken. Doch dabei belassen es SCHLAASSS nicht. Vielmehr ist das Trio eine künstlerische Truppe mit einer Vorliebe fürs Obskure. Die Liveauftritte sind schrill und bunt, teils auch anzüglich und provokativ, doch mit viel Liebe zum Detail. Die Musik ist einerseits überaus tanzbar, andererseits aber auch sehr fordernd, da abwechslungsreich und sehr lebendig. Mir gefällt die anarchische Vermischung von Electropunk und Rap, was mich immer wieder an ein wenig an Cybergrind erinnert, den ich wesentlich besser kenne als das was SCHLAASSS machen.



Da die Texte ausschließlich auf Französisch sind, weiß ich leider nicht genau worum es geht, wobei es definitiv nicht immer ernste Themen sind, oder wie ausgeprägt Sprachwitz, Wortgewalt und Reime sind. Kreativ scheinen SCHLAASSS aber allemal zu sein, darauf deuten die vielen visuellen Aspekte hin. Die CD wird etwa in einer dicken bedruckten Papiertüte, wie man sie vom halben Brathähnchen kennt, verkauft. Das Vinyl hingegen wohnt hingegen in einem bedruckten Pizzakarton.



Wer ausgefallene Tonträger und/oder elektronische Musik schätzt und sammelt, der sollte sich SCHLAASSS mal genauer (Youtube) ansehen und anhören. Die Beats und Harmonien gefallen mir, zumal das Ganze auch etwas eigensinnig und obskur ist, obgleich das Album auch sehr sprunghaft und anstrengend sein kann.

Dienstag, 3. Oktober 2006

Vulpecula - In Dusk Apparition

Vulpecula – In Dusk Apparition
Vulpecula – In Dusk Apparition
2006 | Death Black Metal, Ambient
CD, Vinyl, Digital | Invictus Productions

1. Eltanin Shadowcast
2. Celestial
3. Major Tom (Coming Home)
4. Culmination
5. In Dusk Apparition

Kurz nach der Veröffentlichung von Fons immortalis begannen Vulpecula 1997 damit, neues Liedgut für das damals geplante Debütalbum Down among them zu schreiben und proben. Irgendwann 1998 waren die Aufnahmen abgeschlossen und als Resultat gab es vier neue Lieder die bis heute allerdings nie veröffentlicht wurden. Down among them wurde nicht realisiert und stattdessen gibt es nun, acht Jahre später diese MCD In dusk apparition.

In dusk apparition ist seinem Vorgänger Fons immortalis atmosphärisch recht nahe, jedoch stilistisch und strukturell nicht mehr so dunkel, tieftönig und raumfüllend. Die lauten Saiteninstrumente sowie der Gesang wurden entschärft, was einerseits ein wenig schade ist andererseits aber neuen Raum für komplexere Melodien gibt. Die Lieder werden allesamt in verschiedenen langsamen und schleppenden Rhythmen vom kraftvollen und leicht dumpf klingenden Schlagzeug vorgetragen. Chuck Keller (den ich gerade erst schon für das Ares Kingdom Album loben musste) sorgt an der Gitarre wieder für grandiose Momente. Es gibt viele dunkle Melodien und Riffs; die stellenweise wieder diese „spaceige“ (treibend in den endlosen Weiten der Sternenhaufen) Atmosphäre hervorruft, die auf Fons immoralis so präsent war. In dusk apparition ist aber abwechslungsreicher ausgefallen, was auch an der längeren Spielzeit der einzelnen Lieder liegt, die alle zwischen vier und sieben Minuten lang sind.

Major Tom (Coming home) ist keines der vier neuen Lieder, die damals im Zuge der Aufnahmen zu Down among them entstanden. Major Tom (Coming home) ist ein Coverstück von Peter Schilling aus dem Jahre 1984 und wurde bereits auf einer Kompilation von Vulpeculas damaliger Plattenfirma Eternal Darkness Productions veröffentlicht.

Ich kann jedem, der
Vulpecula (noch) kennt oder diesen alten schleppenden Metal mit seinen Riffgewittern mag, nur raten, sich diese schmucke MCD zuzulegen. Für die jüngeren bzw. modernen Hörer wird es hingegen wohl eher schwierig sein, Bezug zur Musik von Vulpecula zu bekommen. Das werden wohl die Meisten sein, denn schon damals, als Fons immortalis noch aktuell war, liefen die Verkäufe schleppend und die Resonanz war verhalten. Was soll's. Mir gefällt alles von Vulpecula ausgesprochen gut – so auch die neuste und zugleich letzte Veröffentlichung.


Montag, 8. August 2005

Odium Immortalis / Feindbild Mensch - Split

Odium Immortalis / Feindbild Mensch - Split
Odium Immortalis / Feindbild Mensch - Split
2004 | Black Metal
Vinyl |
Eigenproduktion


ODIUM IMMORTALIS
1. Ich bin gefallen…
2. Wolkenbruch

FEINDBILD MENSCH
3. Taste the Salt in Your Blood
4. Stück für Stück...


ODIUM IMMORTALIS haben einen Schritt in die richtige Richtung getan. Ihr Beitrag auf diesem 12“ Split Vinyl macht einen gereiften Eindruck wenn man einen Vergleich zu Die Schönheit der Einsamkeit zieht. Das Album vom vergangenen Jahr konnte mich ja nicht vollends überzeugen, was großteils am Gesang lag. Dieses Mal ist es aber anders, ODIUM IMMORTALIS benutzen auf den zwei vorliegenden Stücken kaum klare Gesänge, und wenn, dann behutsam und im richtigen Maße. Eine weitere Verbesserung zum Album ist der wärmere und kräftigere Klang, durch ihn kommt das Material besser und dezidierter zur Geltung. Egal ob bei den ruhigeren und melodischen Passagen, die stellenweise gar an neuere Nocte Obducta erinnern oder bei den schnellen und antreibenden Strecken von Wolkenbruch, welches insgesamt sehr flott und flüssig aus den Lautsprechern drängt.


Odium Immortalis / Feindbild Mensch - Split
Auch bei FEINDBILD MENSCH hat sich einiges getan, seit ihrer letzten und bisher einzigen
Veröffentlichung. Vor allem beim Klang gibt es die auffälligsten Veränderungen zu dem Demo von 2002. Im direkten Vergleich liegen die sprichwörtlichen Welten zwischen beiden Tonträgern. Der differenziertere und saubere Klang berührt die Atmosphäre der Düsseldorfer aber nicht, im Gegenteil, es ist alles sehr deutlich getrennt hörbar was besonders beim aufmerksamen Hören Früchte trägt. Denn FEINDBILD MENSCH haben einige gute Gitarrenmelodien in den zwei Liedern, nur sind diese wie versteckt und erschließen sich erst wenn man der Musik genau zuhört. Ebenso aussagekräftig wie an der Gitarre geben sich FEINDBILD MENSCH mit dem Gesang, der gut verständlich ist und gerade beim Taste the salt of your blood eindringlich und kehlig wirkt.


Beide Gruppen wissen mit ihrem Beitrag zu gefallen. ODIUM IMMORTALIS überzeugen mit dem ruhigeren und facettenreicheren Ich bin gefallen… genauso wie mit dem schnellen und direkten Wolkenbruch. Wird diese Art verinnerlicht und künftig beibehalten, kann man von der Band noch einiges interessantes erwarten. Ähnliches gilt auch für FEINDBILD MENSCH, die der fiesere und grimmigere Part auf der Platte sind und sich bis zur nächsten Veröffentlichung nicht wieder zwei bis drei Jahre Zeit lassen sollten.


Erschienen ist diese Split LP in einer Auflage von 525 Kopien.